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HiFi Punk - im Hinterhof gibt's geilen Sound

 

Schrott tönt flott

 

In dieser Rubrik finden Sie HiFi jenseits des luxuriös aufgetakelten Hochglanz-Mainstream. Individualität und lustvolles Ausprobieren sind Trumpf. Motto: Es gibt hervorragenden Musikgenuss auch ohne Zentimeter dicke, aus dem Vollen gefräste Chromglanz-Gehäusefronten und klaviergelackte Monumentalbauten. Einfach mal das vorhandene Material zusammenstecken, einfach mal ausprobieren und unvoreingenommen 'reinhören. Mitunter ergeben sich zwischen uralten und flammneuen Komponenten erstaunliche synergetische Effekte. Manchmal allerdings kann auch eine vermeintliche Spitzenkomponente regelrecht klanglich versumpfen. Wichtig ist vor allem eines: Die spannende Freude beim Musikhören und Vinylsurfen.


Dieses schöne Leichtmetallgehäuse verstaubte bereits ein paar Jahre im Regal. Ursprünglich gehörte es zu einer stationären Videokamera aus Panasonic-Produktion. Jetzt schlummert darin eine kompakte Endstufe mit den beliebten LM 3886-Verstärker-ICs. Kürzere Singnalwege lassen sich schwerlich in einer Endstufe realisieren. Die beiden ICs kosten schon alleine um die 12 Euro, deshalb habe ich gleich eine komplett bestückte Platine "made in China" bestellt. Kostenpunkt 30 Euro. Die Erwartungen waren nicht hoch, wurden aber vom Endergebnis bei Weitem übertroffen. Für wirkungsgradstarke Lautsprecher ist das Verstärkermodul eine dicke Empfehlung. In Verbindung mit einer hochwertigen Vorstufe und Quelle gelingt dem Gerät die seltene Kunst, Musik in feinen Schattierungen fließen zu lassen, und zugleich die einzelnen Instrumente klar fokusier- und verfolgbar wiederzugeben. "Schwierige" Musik wird oft nur dank solcher Verstärker über die Audioanlage genießbar.

Das ist die komplette LM 3886-Endstufe. Zwei Ringkerne mit je 160VA übernehmen die Spannungsversorgung. Die ICs sind zur Wärmeableitung auf eine Kupferschiene montiert, die wiederum über Kühlkörper mit dem Gehäuse verschraubt wurde. Im Betrieb wird der Verstärker bei Zimmerlautstärke nur zart handwarm. Zusätzlich zu den üblichen Cinch-Buchsen gibt es noch einen Neutrik-Fünfpolanschluss. Im Test lief die Endstufe mit einer Aloia Da Capo-Röhrenvorstufe zum reinsten Vergnügen. Wieder einmal ein Beweis, dass für hohe Wiedergabegüte keine Unsummen ausgegeben werden müssen. Die Gesamtkosten für die LM 3886-Endstufe beliefen sich auf rund 80 Euro. Hört sich wenig an, aber nach üblicher Kalkulation würde so ein Gerät (plus Gehäusekosten) im Laden dann um die 1500 Euro kosten.

Der ursprüngliche Flansch für die Kamerabefestigung wurde mit einer passenden Aluplatte verschlossen. Die nimmt nun die Neutrik-Fünfpolbuchse auf. Lautsprecheranschlüsse über versenkte Buchsen für übliche und bewährte Bananenstecker.

Garrard 401 einmal anders. In Kistenzarge mit babyblauem Oberdeck und Eiche-Vollholzriegel als Tonarmaufnahme. Für die "schwebende" Einbaulage der Holzplatte ist eine dünne Korkunterlage mit "Schattenfuge" unter dem Brett positioniert. Sie dient zugleich als Dämpfung für das Deck. Im Leichtbau-Zwölfzöller (auf Thorens TP 16-Basis) mit Carbon-Tonarmrohr leistet das gut abgehangene Audio Technica AT 20 SLa überzeugende Dienste. Zur Innenverkabelung des Arms kommt HF-Litze aus "DDR-Produktion" zum Einsatz. Und, man höre, auch das funktioniert.

Garrard 401 "Oak Brick" in ganzer Pracht. Das leicht angegriffene Holzgehäuse wurde mit Schellack wieder aufpoliert. Kugelköpfe mit Kontermuttern garantieren sicheren Stand. Die Tellermatte aus Kork gibt es als 30 Zentimeter große Ronde im Bastelshop für ein paar Euro. Das passgenaue Loch in der Mitte bekommt man mit einer alten Chris de Burgh-Platte als Bohrschablohne ohne Probleme - aber mit einem 7 Millimeter-Bohrer - gebacken. Der komfortable Tonarmlift des TP 16-Arms wurde passgenau in das Gehäuse adaptiert. Für die Liftstange war eine kleine Verlängerung erforderlich.

Tonarmdetail des bemerkenswerten Fern&Roby-Plattenspielers mit Graugußzarge. Mehr davon weiter unten (Foto: Fern&Roby, www.fernandroby.com))

Braun CV 11 Endstufe im Fundzustand. Die ausgeschmolzenen Kondensatoren haben unübersehbar ihre Zeit hinter sich. Auch sonst ist erst einmal Großeinsatz für Staubsauger und Putzpinsel angesagt. Manche Elektroschrauber stellen so ein Teil einfach in die Dusche und geben Kommando "Wasser Marsch". Anschließend mit Pressluft trocken blasen. Funktioniert tatsächlich.

Braun CV 11 nach dem Duschbad und mit neuen Kondensatoren versehen. Die modernen Folienkondensatoren sind zwar stilistisch nicht korrekt, funktionieren aber ausgezeichnet - und soo schlecht sehen sie auch wieder nicht aus. Ganz wichtig: Diese EL 84-Endstufe kann sich auch heute noch sehr gut hören lassen, besonders in Verbindung mit wirkungsgradstarken Lautsprechern.

Die Gitarre und das Meer. Freddy trifft auf Eigenbau-Tonarm mit schwerer Messingaufnahme,
Küchenplatte aus Buchenholz und 60er Jahre-Plattendreher vom Typ Telefunken 210
(baugleich mit PE 34)

Frickelkunst. Wenn alles noch einmal in Schön in ein richtig feines Gehäuse eingebaut wird, klingt's meistens nicht mehr so gut

Stillleben mit Thorens TD 135, dem kleinen Bruder des TD 124

Immer wieder gerne genommen: Lack-Tischchen
als Plattenspielerablage aus dem bekannten
schwedischen Einrichtungshaus

Offen und gefährlich. Basteln mit Röhren empfiehlt sich nur für Leute mit dem nötigen Respekt vor Hochspannung

Im Schein der Röhren. So schön kann ein glühender Heizfaden sein

Nochmal ein Telefunken 210, diesmal auf simpler Zarge aus Multiplex-Schichtholz, aber mit einem allerfeinsten Tonarm der legendären japanischen Marke Fidelity-Research. Der Telefunken/PE-Spieler wird gerne für derartige Understatement-Projekte hergenommen. Die Klangergebnisse sprechen (tönen) für sich

Der Düsseldorfer Jörg Lassahn baut unter dem schönen Namen "Goldstrom" archaisch anmutende Audio-Gerätschaften. Röhrenverstärker sind da unumgänglich

Kleinleistungs-Röhrenverstärker aus dem Hause Goldstrom. Für alle, die keine vergoldeten Frontplatten mögen

Die passenden Lautsprecher gibt's zum Goldstrom-Verstärker selbstverständlich auch noch

Auch ein Goldstrom-Gerät. Macht aber keine Musik, sondern schönes Licht. Passt gut zum Glimmen der Röhren

Hervorragendes Stück aus der Rubrik "Edel-Punk". Fern&Roby heißt die amerikanische Firma, die ein Faible für Einrichtungsgegenstände aus Grauguß und Holz hat. Neben Möbeln findet sich eine komplette Audio-Range mit Lautsprechern, Verstärker und einem wunderbaren Plattenspieler. Unbedingt selber nachsehen unter www.fernandroby.com

Grauguß ist ein idealer Werkstoff für eine Plattenspieler-Basis. Hohe innere Dämpfung trifft auf stattliche Masse. Plattenteller aus Bronzeguß, inklusive dekorativer Lufteinschlüsse und Schwundrisse

Detail des Fern&Roby-Plattenspielers. Geschwindigkeit-Wählschalter mit Firmenlogo (Fotos: Fern&Roby)