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Der Schmetterling und die Brücke


Vorsicht Starkstrom. Steckt ein derart gewaltiges Schiffstau in der Schukodose, muss die Anlage ja regelrecht vor Kraft und Energie bersten. Vor allem, wenn man dann noch aufs heftige Preisschild schaut. Hauptsache, die simplen Unterputz-Kabel werden nicht aus der Wand gerissen.

Wenn sich ein Schmetterling auf die Autobahnbrücke setzt, biegt sich das Bauwerk durch. Diese im Resultat zwar unbedeutende, aber physikalisch betrachtet völlig korrekte Aussage sollten Sie sich ins Gedächtnis rufen. Und zwar immer dann, wenn es um den höchst unterhaltsamen Themenkomplex "HiFi und Tuning" geht. Dahinter steckt eine Erkenntnis, die Ihnen viel Geld sparen hilft, ohne dass Sie dabei den Spaß an Ihrem Hobby verlieren. Und darum geht es schließlich.

 

 

KABEL:

Selbstverständlich beeinflussen Kabel die klangliche Balance der Anlage. Besonders gilt das für die empfindliche Verbindung zwischen Tonabnehmer und Vorverstärker. Siehe auch Kabelkapazität in Verbindung mit einem MM-Tonabnehmer. Bislang konnte aber noch niemand glaubhaft erklären, weshalb die zwei Meter zwischen Verstärker und Box die Klangwelt auf den Kopf stellen sollen, wenn im High End-Verstärker und in der High End-Box selbst einfachstes Kabelmaterial offenbar vollauf genügt.

 

Spezielle "Kästchenkabel" mit integrierten Korrekturgliedern nehmen bei einschlägig bevorzugten Gerätekombinationen (Mehrwege-Wattschluckerbox plus fettes Verstärkermonster) Einfluss auf den Verstärker - und damit auf das Klangbild. Generell: Je mehr Leistung, je "weicher" der Verstärker und je länger das Kabel, desto mehr machen sich "Kabeleigenschaften" im Klangbild bemerkbar. Besser ist es, von Anfang an auf eine harmonisch abgestimmte Anlagenkette mit wirkungsgradstarken Lautsprechern zu achten. Dann genügt der sprichwörtliche Klingeldraht für ein highendiges Klangerlebnis allemal.

 

Und: Die neuen Class-D-Verstärker mit ihrem stabilen Signalverhalten reagieren auf Kabeltausch äußerst neutral. Was zeigt: Nicht das Kabel macht den Unterschied, sondern eigentlich der Verstärker. Einfaches Experiment zum selber Testen: Betreiben Sie Ihre Lautsprecher einmal mit je drei Meter verdrilltem Klingeldraht und anschließend mit vier Quadratmillimeter Standard-Lautsprecher-Zwillingsleitung Typ "Baumarkt". Dieses Experiment lässt sich mit beliebigen Kabel-Konfigurationen (Massivleiter und Litze in einem Strang mischen etc.) fortführen. Dabei werden Sie feststellen, dass "Kabelklang" nicht vom zügellosen Geldeinsatz abhängig ist.

 

Kabel-Mystik ist verlockend. Besonders für den Handel. Nach dem Tausch des einfachen Serienkabels am Vorverstärker gegen ein sorgsam selbst angefertigtes Exemplar hätte auch ich auf alle Heiligen dieser Erde geschworen, der Klang sei jetzt differenzierter, aufgeräumter und insgesamt präziser geworden. Tatsächlich musste ich mir nach einiger Zeit eingestehen: Hätte jemand das Kabel ohne mein Wissen getauscht, ich hätte wohl keinen Unterschied bemerkt. Euphorie beflügelt - auch den Hörsinn. Und, ja, selbstverständlich bricht das Klangbild nach dem bewussten Rückbau total in sich zusammen. Der Mensch hat es nun mal nicht gerne, wenn ihm etwas weggenommen, wenn etwas "zurückversetzt" wird.

 

Weil die "Euphorie-Effekte" beim Einschleifen neuer Kabelkomponenten stets nur eine gewisse Halbwertszeit haben, endet das Kabelspiel für wahrhaft Bessene nie. Wer dennoch seinen Ohren vertraut und Zweifel am klanglichen Wert der neuen Hyper-Kabel äußert, der wird vom Verkäufer mit dem Zauberwort "Einspielzeit" in die geldwerte Warteschleife geschickt. Denn merke: Nur mit dem neuen, noch kostspieligeren Kabel geht es auf der Klangleiter stets höher, auch wenn man mit der Nase bereits an der Decke klebt. Deshalb locker machen. Geld klingt nicht, nur die Musik.

 

Apropos Einspielzeit. Die gegenteilige Erscheinung ist viel häufiger anzutreffen, also eine Art "Auspielzeit". Denn das anfänglich von Euphorie geprägte Hörerlebnis verliert nach und nach seinen Zauber. Bis es durch eine neue Dosis "Aufmotztechnik" wieder frische Emotionsnahrung bekommt. Ergo: Der Hörer kämpft so oder so mit Gewöhnungsprozessen. Im positiven wie im negativen Sinne. Somit wäre der allererste Höreindruck von einem neuen Setup stets der richtige. Sofern man in der Lage ist, seine Grundeuphorie auf den Nullpunkt zu dämpfen. Womit klar wird, auf welch breitem Weg die Goldohren-Fraktion mit ihrer Betrachtung der klanglichen Wahrheit unterwegs ist.

 

Letztlich sitzt man eben immer nur vor einer Stereoanlage. Manchmal vor einer richtig guten, manchmal vor einer durchschnittlichen und manchmal vor einer eher gruseligen. Aber vor einer Stereoanlage. (Apropos. In diesem Zusammenhang muss ich es einmal loswerden: Manches hundsgewöhnliche, serienmäßige Autoradio klingt mitunter authentischer (authentikos = echt, selbst in die Wirklichkeit gebracht) als die super tollste High End-Anlage. - Selbstverständlich auf dem Parkplatz, ohne Motor- und sonstige Nebengeräusche. Und, Achtung: Das Auto hat eine highendige Akkustromversorgung - ohne "Netzverschmutzung" - serienmäßig....)

 

Wenn Sie also zu den Glücklichen gehören, denen das Geld im Hosensack mächtig unbequem ist, dann tun Sie etwas Gutes, und bringen Sie es für kostspielige Kabelage in den Wirtschaftskreislauf. Allen anderen empfehle ich einfach auf saubere Kontakte, handwerklich korrekt ausgeführte Lötverbindungen und solide Steckverbindungen mit zuverlässigem Kontaktdruck zu achten.Viele Kabelexperimente bringen auch deshalb positive Resultate, weil durch das Umstöpseln mal wieder die Kontakte gereinigt werden.

 

Und noch etwas: Lesen Sie den nächsten Kabeltest unter dem Bewusstsein, dass der meinungsbildende Autor mit seinem "Testbericht" weder den guten Anzeigenkunden noch die vielen "kabelgläubigen" Leser verprellen möchte. Dann werden Sie die wohlfeilen Klangumschreibungen genau richtig einordnen können. Was nebenbei auf so ziemlich jeden anderen "HiFi-Test" auch übertragbar ist.

 

Das gängige Vorurteil, so gut wie alle Testberichte in den einschlägigen Medien - gedruckt oder digital - seien von der Industrie oder den Vertrieben mehr oder weniger "gekauft", trifft in dieser Schlichtheit selbstverständlich nicht zu. Die Verhältnisse sind komplex. Letzlich geht es um beiderseitige Abhängigkeiten. Die Fachmedien wollen die neueste Neuheit vor den Mitbewerbern, die Hersteller möchten eine positive weil verkaufsfördernde Darstellung ihrer Produkte. Um ein Testergebnis "hinzubiegen", ist dann schon mehr Einsatz seitens des Herstellers notwendig, als nur die Schaltung einer doppelseitigen Anzeige. Anzeigen dienen der "Landschaftspflege" zwischen Verlag und Hersteller. Es gilt der alte Grundsatz: Wer wirbt, wird nicht vergessen. Also sind Anzeigenschaltungen die Voraussetzung für große Berichte in den Fachmedien. Und selbstverständlich dienen Anzeigen nach wie vor der Imagepflege. Wichtigkeit und Bedeutung wird durch mediale Präsenz hergestellt, also durch das Zusammenspiel von Anzeigen UND (positiver) Berichterstattung.

 

Letztendlich entwickelt sich durch diese engen Verflechtungen von Geben und Nehmen, von Herstellern und "Medienpartnern", ein geschäftiges Szenebiotop. Als Indikator für den Leser, wie eng die "Zusammenarbeit" zwischen Verlag und Industrie abläuft, dienen die von den Verlagen vergebenen Preise "für herausragende Produkte" oder "Leserwahlen" und nicht zuletzt die sattsam bekannten Gratulations-Anzeigen, wenn Hersteller X der Zeitschrift Y etwa zum 25-jährigen Jubiläum applaudiert. Man ist sich mit ganzer Marketing-Herzlichkeit verbunden. Zwangsläufig auch mit tendeziell mafiösem Einschlag und ungeschriebenen Regeln: Unter "Freunden" sollte man sich stets überlegen, was man an die Öffentlichkeit trägt, und - ganz besonders - was nicht.

 

Das trifft auf alle Bereiche des Journalismus zu, in denen wirtschaftliche Abhängigkeiten tangiert werden.  Selbst der in der Journalisten-Hirarchie weit unten angesiedelte Polizeiberichterstatter bei der Tagespresse ist auf das Wohlwollen der Polizei-Pressestelle angewiesen. Er wird also ganz im Sinne "seiner Polizei" berichten. Ansonsten ist sein Informationskanal gekappt. Damit ist seine wichtigste Infoquelle versiegt, womit er wiederum verlagsintern als "unfähig für den Job" eingestuft wird. Und Taxifahrer gibt es schon mehr als genug.

Im Resultat entsteht so die alleseits bekannte, kritiklose  "Schönschreibe", die der Leser instinktiv als Unaufrichtigkeit wahrnimmt. Im Volksmund mit dem sattsam bekannten Begriff "Lügenpresse" begeifert. Treffender wäre der Begriff "Interessen-Presse". Die ungefilterte Wahrheit hat nur dort eine Chance, wo keine wirtschaftlichen Verflechtungen die brisanten Teilaspekte aus der Infobrühe fischen.

 

Der bezahlte HiFi-Journalist mit altmodischem Berufsethos und Restdrang zur Aufrichtigkeit gerät also in seinen Bewertungen und Einschätzungen rasch in Gewissensnöte.  Als Rettungsanker dienen ihm Formulierungen, die ins Nebulöse zielen: "Meinte ich, plötzlich mehr Luft zwischen den Instrumenten zu spüren...", oder "...öffnete sich gefühlsmäßig ein Raum, der eine Handbreit größer schien als zuvor....". Gefühle lassen sich schließlich nicht in Millimetern angeben.

 

Doch zurück zur Bastel-Praxis: Bei aller kritischen Einstellung gegenüber "Kabelmystik" an dieser Stelle trotzdem noch ein Tipp: Probieren Sie statt der 1500 Euro-Steckdosenleiste aus der High End-Boutique einfach eine professionelle Endstör-Steckerleiste aus dem IT-Bereich aus. Etwa vom Hersteller Schroff. Die ist auch nicht gerade billig, kann aber einiges und ist zudem wunderbar kompakt gebaut. Lassen Sie sich überraschen.

 

 

CHIPS, STEINE UND SCHÄLCHEN:

Der Handel hält wunderbare Hilfsmittel bereit, die Ihr Klangerlebnis zu Hause  ins Unermessliche steigern können. Richtig ist, wer sich in positive Stimmung bringt, hört besser (zu). Deshalb ist Einbildung durchaus auch Teil der Wahrheit. Es gilt letztlich das Gleiche wie bei den Kabeln. Wer Geld hat, der soll es gefälligst auch ausgeben. Alle anderen können mit kreativer Eigenleistung gleichfalls ins unergründliche Klangnirwana vorstoßen (halbvolle Weinflaschen statt Klangschalen...).

 

Jeder zusätzlich im Raum installierte Gegenstand bewirkt eine physikalische Änderung der akustischen Gegebenheiten. Siehe unser Eingangsmotto "Der Schmetterling und die Brücke". Wenn Sie an die Wirkung einer halbvoll mit Quellwasser gefüllten, auf dem Lautsprecher abgestellten  Kupfervase glauben, dann funktioniert das auch. Im nächsten Schritt kommt dann eine Filzunterlage unter die Vase, oder ein Stück Leder. Naturmaterialien verstärken bekanntlich den Mystikfaktor. Teure Edelmetalle wie Gold oder Platin machen alles noch viel besser, ist doch klar. Und eröffnen dem Handel ungeahnte Gewinnmargen. Es sei ihnen gegönnt, ergreifende Unterhaltung ist schließlich ein kostbares Gut. Alleine Sie müssen entscheiden, ob Ihnen etwa vier lackierte Holzklötzchen in edler Samtverpackung 1200 Euro wert sind oder nicht.

 

HiFi-Journalisten, die sich die zumeist schamlos überteuerten Tuningartikel nicht selbst kaufen müssen, behelfen sich im Verlagsinteresse gerne in ihrer Berichterstattung mit Umschreibungen wie: "wer heilt, hat recht", oder "...die letzten Klangpromille sind immer die teuersten....". Ergo sei der "gefühlte Klanggewinn" durch das Produkt doch den (ähem, stolzen) Preis wert. Und letztlich sind Preis und Wert immer eine relative Kiste. Eine Flasche Wasser in der Wüste kann unbezahlbar wertvoll sein.

 

Geben Sie Ihr Geld ab und zu auch für Konzertkarten aus. Nur live ist wirkliches Leben. Wobei Sie mitunter feststellen werden, dass die Anlage zuhause um Welten besser klingt als die trötig übersteuerte Live-PA vor Ort. Auf der anderen Seite ist zu bemerken, dass es die überpräsenten Höhen, wie sie viele "High Ender" im Sinne einer "richtigen" Wiedergabe besonders schätzen, bei echten Live-Konzerten - ohne elektrische Zusatzverstärkung - nicht gibt.

 

Oder wie es ein guter Bekannter einmal formulierte, der jahrelang als Opernkritiker tätig war: "So gut wie vor einem Paar elektrostatischer Flächenlautsprecher hörst du die Musik in keinem Konzertsaal."

 

 

RAUMTUNING:

Ganz wichtig. Denn die Raumakustik ist für den erlebten Klang der Anlage entscheidend. Zimmer, in denen man sich schlecht unterhalten kann, haben eine mangelhafte Akustik. Dort klingt keine Musikanlage (und auch kein Instrument) richtig gut. Bevor Sie Geld für Kabel und teure Komponenten ausgeben, sollten Sie den Raum selbst optimieren. Es müssen ja nicht gleich die alten Eierkartons zur Minderung von Schallreflexen an die Wände gepappt werden. Wenn das Zimmer auch Wohnraum sein muss, sollte mit Teppichen, Bücherregalen und Zimmerpflanzen experimentiert werden. Testen Sie auch "unorthodoxe" Aufstellungen der Lautsprecher aus, etwa diagonal im Raum.

 

Große, glatte Flächen wirken immer als Schallreflektoren. Gegen große Glasflächen abstrahlende Lautsprecher klingen nach Badezimmer. Faustregel: Lautsprecher immer mit dem "Rücken" zu den Fenstern aufstellen. Wer voll verglast lebt und auf den Ausblick während des Musikhörens nicht verzichten möchte, kann das Reflexionsproblem teilweise durch Lautsprecher entschärfen, die Hoch- und Mittelton über Horntreiber abstrahlen. Der Schall wirkt damit gerichteter und hat einen geringeren Reflexionsanteil als übliche Kalotten-Hochtöner, die dafür ein besseres Rundstrahlverhalten haben.

 

Nicht zuletzt: Raumklima, Architektur, Materialien, Lichtverhältnisse und Farbgebung nehmen Einfluss auf die Gefühlslage und damit auch auf das Empfinden von Musik, ganz gleich ob live gespielt oder von Konserve.


Bevor man an die Anschaffung teurer Spezialkabel denkt, sollte die bereits vorhandene Technik bestmöglich in Schuss gebracht werden. Eine typische Schwachstelle bei älteren Plattenspielern mit SME-Kupplung am Tonarm sind die kleinen Kontaktstifte in der Headshell. Schleichend hat sich dort über die Jahre gerne ein feiner Korrosionsbelag ausgebreitet, der den Signalfluss beeinträchtigt. Zur Reinigung sei 2000er Schleifpapier empfohlen (auf keinen Fall unter 1000er Körnung gehen). Einmal darüber ziehen reicht. Die entsprechenden Gegenkontakte im Tonarm erreicht man am besten mit einem abgeknipsten Holzzahnstocher, auf dessen stumpfes Ende man ein winziges Stück eben dieses 2000er Schmirgelpapiers geklebt hat. Den Zahnstocher zum Schleifen leicht zwischen Daumen und Zeigefinger drehen. Das Resultat ist mitunter ein völlig neuer Plattenspieler. Also unbedingt die betreffenden Kontakte kontrollieren und bei Verdacht reinigen. Gleiches gilt für sämtliche Steckverbindungen rund um die Verkabelung der Anlage

 

HÖRTUNING

Highenders Lieblingsspruch lautet bekanntlich: Aber ich höre es doch! Merke: Hören ist eine individuelle Angelegenheit. In typischen Vorführrunden beurteilen Hörer die Qualitäten der präsentierten Audiotechnik nicht selten völlig konträr. Besonders dann, wenn es um die oft teuer zu bezahlenden Restfeinheiten einschlägiger High End-Ware geht. Zu diesem Thema empfehle ich einen Eigenversuch: Hören Sie sich ein und das selbe Stück auf ein und der selben Anlage zehnmal in kurzer Abfolge an. Sie werden jedesmal kleine Veränderungen feststellen.

 

Denn gehört wird letztlich nicht alleine mit den winzigen Mechanik-Wunderwerken in den Gehörgängen, sondern mit der Auswertung der "Daten" im Gehirn. Am eindrucksvollsten funktioniert dieses Experiment mit einem bislang unbekannten Musikstück. Durch Ihre geschärfte Aufmerksamkeit werden Sie mit jedem neuerlichen Hördurchgang die Musik Schicht für Schicht wahrnehmen. Dabei entdecken Sie mit jedem Hören neue Details. Genau mit diesem Effekt wird in den üblichen Vorführ-Hörrunden gespielt, etwa wenn mit sogenannten "informierten Chips" (was nichts weiter ist als selbstklebende Alufolie) die Anlage "getuned" wird. (Den gleichen Effekt können Sie zuhause viel günstiger erzielen, wenn Sie auf Ihrer Anlage hübsche Kieselsteine oder Rosenquarze auslegen. Noch besser sind kleine Meteoriten-Reste. Bekommt man schon für um die 10 Euro das Stück. Mörder Mystikfaktor....)

 

Ein beliebter Trick bei Vorführungen ist auch das Einspühen von CDs mit einer Wundertinktur (50 Milliliter nicht unter 30 Euro). Alleine der Gedanke an Feuchtigkeit und zerstäubte Tröpfchen lässt die Wiedergabe sogleich "geschmeidiger und flüssiger" werden. Begründet wird die Wunderwikung zumeist mit besserer Auslesbarkeit durch den abtastenden Laserstrahl. Gegenargument: Sprühen Sie das Zeug doch auf ihr Fotoobjektiv. Dann müssten die Bilder ja auch schärfer werden.

 

Mit Suggestion lässt sich der erlebte Klangreichtum in die gewünschte Richtung lenken: "Achten Sie auf die kristallklaren Höhen der Bändchenhochtöner", empfiehlt der Händler bei der Vorführung. Das Wort "kristallklar" reicht bereits aus, um im Hirn den Resonanzboden für den entsprechenden Höreindruck zu bilden. 

 

Aus dem gleichen Grund lassen auf Holzklötzchen gelagerte Lautsprecherkabel die Töne freier fließen oder bringen schwere Masselaufwerke einen tiefen Bass und mehr Ruhe ins Klangbild. Würde man bei der Vorführung den Plattenspieler nicht sehen, würde das Hörerlebnis möglicherweise ganz anders bewertet werden.

Prüfen Sie sich also bei allen "Hörtests" stets selbst: Höre ich das wirklich? Täusche ich mich selbst? Bei Unsicherheiten empfiehlt sich zum frischen Justieren der Hörsinne ein Umswitchen auf ein anderes Abspielmedium. Etwa CD oder Radio. Dann nochmals bei Null mit dem Prüfen der anvisierten Plattenspieler-Komponente beginnen. Wer sich selbst besser kennt, kennt auch seine Anlage besser.

 

Und schließlich wäre da noch das Bio-Tuning. Nach einem heißen Vollbad spielt ihre Anlage besser, Sie hören mehr Details. Das liegt am dann gut durchbluteten "Hirnkastl". Einen vergleichbaren Effekt können Sie mit einem Glas Rotwein erzielen. Alkohol regt die Durchblutung an. Bei Überdosierung erzielen Sie damit aber das blanke Gegenteil - von den Folgeschäden ganz zu schweigen.

 

 

 


Tuning muss nichts Schlechtes sein. Ein extrem leichtes "Reibrad by Schiller-Phono" aus Delrin mit zusätzlichen Gewichtsbohrungen sieht nicht nur schick aus, es wirkt sich auch positiv auf die Laufruhe des beliebten Vintage-Spielers Braun PS 500 aus. Der besondere Kniff ist der verbreiterte Lagerabstand des Reibrads - von serienmäßigen 6,5 auf 16 Millimeter - mit zusätzlicher Versteifungsbrücke. Dadurch wird das Reibrad wesentlich exakter geführt als im Serienzustand. Die Güte des Antriebs gewinnt deutlich und hebt die Performance des Spielers auf ein Niveau, das auch verwöhnten Analogisten gefallen dürfte.

Das Ideal - und seine Zerstörung

So eine Gemeinheit. Da hat man nun in jahrelanger Feinarbeit seine Stereoanlage mit viel Feinschliff auf einen "endgültigen" Stand gebracht. Die Musikwiedergabe ist durchsichtig, räumlich, dazu federnd und emotional packend. Wirklich besser geht es von Konserve nicht, nur noch anders. Dann kommt der entscheidende Tag. Der Umzug in ein neues Domizil steht an. Mit dabei - selbstverständlich - die geschätzte Musikanlage.

 

Im neuen Eigenheim haben Sie sich sogar den Luxus eines speziellen Musikzimmers geleistet, schön groß und hell, mit einer ausgetüftelten Stromversorgung. Rasch sind die Komponenten mit geübten Handgriffen installiert, und die musikalische Einweihung der neuen Räumlichkeiten kann mit der aktuellen Lieblingsplatte gefeiert werden. Doch die Freude verfliegt mit den ersten Tönen: Es klingt nicht. Und nicht nur das, es klingt überhaupt nicht. Matt, farblos, flach, blutleer.

 

Was ist nur passiert? Alle Geräte sind die selben geblieben, alle Kabel und auch alle Racks und Spikes. Die Ausphasung der Stromanschlüsse stimmt, und selbst nach stundenlagem Warmlaufenlassen der Anlage tut sich nichts Entscheidendes mehr.

 

Diese Erfahrung, die wohl schon mancher "High Ender" so oder in ähnlicher Form gemacht hat, zeigt einige Sachverhalte sehr nachdrücklich auf: Qualitative Klangbeschreibungen in Fachzeitschriften und Internetforen sind mit Vorsicht zu genießen. Die Kombination hervorragender Einzelkomponenten ergibt nicht zwangsläufig immer und überall ein überragendes Gesamtergebnis.

 

Wir lernen: Eine Anlage muss im jeweiligen Raum wachsen und reifen. Und vor allem muss der Hörer mit seinem Raum reifen. Was auch die stets stark differierenden Meinungen bei Hörsitzungen auf den einschlägigen HiFi-Messen erklären hilft. Obwohl dort in den Räumen der Anbieter/Vertriebe meist mehr Geld zur Vertonung der Musikkonserven an den Start gebracht wird als in den meisten HiFi-Haushalten, treffen doch nur ganz wenige Anlagen den jeweiligen Hörgeschmack des einzelnen Liebhabers. Wobei sich einmal mehr zeigt, dass die entscheidenden Komponenten im ganzen HiFi-Zirkus die Quelle (Musikaufnahme und Abspielgerät), das Schall-Übertragungsmedium (Lautsprecher) und der Raum (akustische Gegebenheiten) sind.

 

In diesem Zusammenhang fällt mir immer wieder eine Begebenheit ein, die schon einige Jahre zurückliegt. Damals besuchte ich einen Oldtimermarkt in Ulm. Mitten in einer großen Ausstellungshalle hatte ein Händler neben Automobilia-Krimskrams eine alte Musikbox aufgestellt. Ich meine, es war eine Seeburg. Darauf lief Elvis mit "The Girl of my best Friend". Ich habe diese Aufnahme seither nie wieder so eindringlich-ergreifend gehört, wie auf dieser "Anlage".