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Tuning

Plattentellermatten im Vergleich

 

Wie man sich bettet, so hört man. Gut nachvollziehbar also, dass sich unterschiedliche Materialien als Auflagefläche für die Schallplatte auch im Klang bemerkbar machen. Ein Praxistest sollte mehr Klarheit bringen.

 

Auf dem Garrard 401 wurden vier völlig unterschiedliche Materialien als Tellermatte geprüft: Die Serienmatte aus festem, mit Rillenstruktur versehenen Gummi, eine dicke Korkmatte, eine Matte aus 3 mm dickem Bastelfilz, und schließlich eine hybride Experimentalmatte, deren Tragstruktur aus einer 2,5 mm dicken MDF-Ronde besteht, die insgesamt mit sechs 4 mm langen und 3,5 mm dicken Kupferspikes versehen wurde. Die MDF-Ronde wurde zudem mit Schellack optisch aufgehübscht.

 

Die Tonarmhöhe wurde der jeweiligen Tellermatten-Dicke angepasst. Die Ergebnisse im Einzelnen:

 

Filzmatte 3mm: Tiefe Töne werden betont, der Bass bekommt mehr Wucht. Insgesamt aber auch ein leicht wolkiges Klangbild.

 

Korkmatte 5 mm: Ausgewogenes Klangbild mit harmonischem Mitteltonbereich. In den Höhen etwas zurückgenommen.

 

MDF-Kupferspikes: Druckvoll-dynamisch. Töne, besonders Klavieranschläge wirken wie glattpoliert,  Strahlkraft in den Höhen.

 

Garrard 401-Serien-Gummimatte: Mittenbetont und rundum angenehme, fließende Wiedergabe.

 

FAZIT: Besonders die Experimental-Tellermatte mit den Kupferspikes hat beim Hörtest in meinem Geräteumfeld positiv überrascht. In den Matten steckt also durchaus ein nicht zu unterschätzendes Tuningpotential, das sich - je nach präferierter Musikrichtung - für eine emotional noch ansprechendere Wiedergabe nutzen lässt. Denn jeder Mattentyp hat Eigenheiten, die sich - ähnlich wie auch bei Tonabnehmertypen - für den jeweiligen Geschmack positiv nutzen lassen. Die Wirkungsweise der Matte kann je nach Spielerkonfiguration differieren, deshalb einfach selbst probieren. Wie immer also auch an dieser Stelle von mir keine "ultimative" Einordnung. Die genannten Alternativ-Matten sind allesamt Eigenbauten aus handelsüblichen Materialien und somit kostengünstig zu realisieren. Für Kork und Filz lässt sich eine defekte Schallplatte als Schablone zum Ausschneiden nutzen. Für kleinere Durchmesser - zumeist sind 295 mm korrekt - kann man sich eine passende Schablone aus festem Karton zuschneiden. Zum Schneiden nur erstklassige, superscharfe Bastelmesser aus dem Modellbau verwenden. Das spart Zeit und Nerven. Die MDF-Ronde mit 300 mm Durchmesser für die Hybridmatte stammt ebenfalls aus dem Bastelbedarf.

Und noch ein Tipp zum Experimentieren: Stapeln Sie unterschiedliche Matten übereinander auf dem Teller - sofern Platz vorhanden ist. Also etwa ganz unten Kork, darüber Kupferspike und oben als Abschluss Filz. Beim meinem Spieler hat das beide Frequenzspektren (Tiefen und Höhen) hörbar erweitert.


Experimental-Tellermatte aus MDF-Ronde und Kupferspikes

Garrard 401-Serien-Tellermatte aus festem Gummi mit Rillenstruktur

Tellermatte aus 3 mm dickem, dunkelblauem Bastelfilz

Korkronde mit 5 mm Dicke als Plattentellermatte

Noch ein Beispiel zum Thema "Tellermatte". Hier liegt eine Unterlage aus wild strukturiertem Maulbeerbaum-Papier auf einer darunter platzierten Filzlage. Eine Kombination, die ohrenscheinlich bei klassischer Musik eine Art Harmonisierungseffekt erzeugt. Wie immer, einfach selbst ausprobieren. WICHTIG: Bei allem Mattenexperimenten unbedingt auf einen vertieften Bereich im Bereich des Plattenlabels achten. Ansonsten liegen minimal geschüsselte Platten (und Platten sind sehr häufig geschüsselt) auf der konvexen Seite sehr schlecht auf. Hat die Matte keine Absenkung im inneren Bereich, empfiehlt es sich, die (dicke) Matte einfach als Ring zuzuschneiden. Geht prima, wenn der Teller als Führung für die Ringmatte einen hochgezogenen Bord hat, alternativ die Matte mit dünnem, doppelseitigen Klebeband an drei Stellen fixieren. Eine Alternative für gleichmäßige Tellerauflagen ist in den Fotos weiter oben zu sehen. Hier liegt die gleichmäßig dicke Korkronde auf dem Tellerbord auf. Somit entsteht zur Tellermitte hin eine leicht konkave Ausflagefläche, die auch bei leicht geschüsselten Platten noch funktioniert.

 

 

Tonarm-Tuning

 

Auch vorhandene Tonarme lassen sich durch gezielte Maßnahmen feintunen. Das beginnt bei sorgsam einjustierten Lagern und zieht sich fort über zusätzlich montierte Trägheitsmassen bis hin zu speziellen Dämpfungsmassnahmen, wie im gezeigten Fall. Wird alles reversibel geplant, macht man nichts kaputt - und ist wieder um eine Erfahrung reicher.


Harmloses Beispiel zum Thema "Plattenspieler-Tuning" aus der Praxis. Ein guter, alter Elac 50H wurde mit Kork-Tellermatte und Eingriffen am Tonarm gepimpt. Das mittels Gummiring aufgespannte Holzsegment (Balsaholz) sticht sofort ins Auge. Was nicht komplett zu sehen ist, ist das dank Kupferauflage im Gewicht deutlich schwerere Tonabnehmer-System (Audio Technica AT13). Es wieg nun 14 Gramm. Das serienmäßige Gegengewicht packt das nicht mehr. Deshalb wurden zwei Edelstahl-U-Scheiben mit doppelseitigem Montage-Klebeband (Scotch) auf dem Seriengewicht sicher und zugleich entkoppelt fixiert. Abschließend wurden die Tonarmlager penibel einjustiert. So erhält man "High End" für ein paar Euro - und der Rück-/Umbau ist jederzeit möglich. Das probeweise Erhöhen der Tonabnehmer-Masse (auf um die 10 bis 15 Gramm) ist dann empfehlenswert, wenn das System von Haus aus mit etwa 2 Gramm - und mehr - Auflagedruck gefahren wird. (Ideal geeignet sind Denon DL 103 und diverse Disco-Systeme, etwa Tonar Diabolic.) Bei historischen Leichtsystemen mit geringen Auflagedrücken von 1 bis 1,5 Gramm maximal auf 8 Gramm beschweren. Ansonsten könnte der Tonarm für das System "zu schwer" geraten. Gut aufgenommene Klaviermusik ist stets ein guter Prüfstein um zu testen, was solche Maßnahmen klanglich bewirken. Im gezeigten Fall gewinnen die Festigkeit und Klarheit des Tons.

 

 

Plattenspieler-Tuning

 

Ganz simpel. Nimm einen x-beliebigen Spieler, und platziere daneben einfach einen selbst gebauten 12 Zoll-Tonarm. Auf dieser Basis lassen sich am einfachsten Entkoppelungsexperimente ausprobieren. Das klappt sogar bei einem hübschen Design-Gerät wie dem Beogram 1600, mit erstklassigem Ergebnis.


Tuning der besonderen Art. Ein hübscher Vintage-Plattenspieler, wie etwa dieser Bang&Olufsen Beogram 1600, lässt sich durch einen separat daneben platzierten 12 Zoll-Tonarm durchaus zu größeren Taten überreden. In unserem Fall griffen wir zum ideal geeigneten Schiller Phono "The Holy Nail" - und staunten nicht schlecht. Auch die Laufruhe dieses per Riemen angetriebenen B&O-Modells ist vorbildlich. Wie's klingt, das können Sie nach anklicken des Youtube-Links im Vergleich zu einem modernen String-Spieler mit schwerer Stahlzarge (System Scheu) hören - und ansehen. NACHTRAG: Die Tellerdrehzahl des B&O-Spielers lässt sich über zwei unter dem Teller versteckte Potis feineinstellen. Jetzt tourt der Beogram korrekt und begeistert wegen fast schon CD-artiger Nebengeräuschfreiheit mit jedem Hören mehr. Das Teil spielt so elegant, wie es ausschaut.

Die Zauberworte beim Thema Plattenspieler-Tuning heißen "Ankoppelung" und "Entkoppelung". Weil alles Schwingung ist, spielen sämtliche beim Platten-Abspielen in Verbindung stehenden Komponenten eine gewichtige Rolle. Angefangen vom Anrieb, über Tellerlager, Tellermasse, Zargenkonstruktion, Tonarmbefestigung, Aufstellung undsoweiter. Ein riesiges Spielfeld. Verwendete Werkstoffe, wirksame Materialmassen und Konstruktionsmerkmale wirken sich auf Schwingungsübertragung und Resonanzeigenschaften aus. Im Bild gezeigt wird eine einfache Tuningvariante für die System-Ankoppelung an die Headshell. Zwei kleine Kupferstifte spannen das System über die beiden Edelstahlschrauben gegen die Headshell aus Rosenholz. Die gezeigte ADC 220-Tondose ist übrigens eines dieser verkannten "Billig-Systeme", die unter idealen Bedingungen überragend aufzuspielen vermögen.

 

 

Nadeltuning

 

Eine heiße Kiste für Mutige. Die an der Nadelspitze wirkende Masse ist entscheidend. Oft findet man bei Leichtmetall-Nadelträgern mit eingesetztem Diamanten an dieser Stelle "Totmaterial". Also Nadelträgermaterial, das noch ein gutes Stück vor den Diamanten hinausreicht. Gemäß der klassischen Motortuner-Regel "bewegte Masse reduzieren", kann man diesen Überstand abtragen. Doch Vorsicht, das ist nichts für den Dremelschleifer. Das gibt Schrott. Hier muss äußerst behutsam vorgegangen werden. Gut funktioniert das mit einem winzigen Streifen 600er bis 1000er Schmirgelpapier, das längs auf einen Holzzahnstocher geklebt wird. Als nächstes muss der Nadelträger gesichert werden, etwa mit einer winzigen Kugel Knetmasse oder Blue Tac. Dann mit ruhiger Hand und einer guten Uhrmacherlupe ans Werk gehen. Die üblichen Leichtmetallröhrchen lassen sich auf diese Weise gut einkürzen. Bei allen harten Edelwerkstoffen bitte Hände weg. Das hier ist wieder etwas Spezielles für die Rubrik "Pimp your budget system".

 

 


Nadelträger an einem Audio Technica-System (Linn K9) im Urzustand. Deutlich ist der weit über den Diamanten hinaus überstehende Nadelträger zu erkennen.

Nadelträgerspitze bearbeitet. Er ist jetzt deutlich kürzer und zu beiden Seiten verrundet. Die gekappte Masse dürfte zumindest dem Gewicht des eingeklebten Diamanten entsprechen, und der wird bei High End-Systemen auch aus Gewichtsgründen winzig klein gefertigt.

 

 

Kabel-Wunderwelt

 

Kabel und HiFi-Tuning sind eines. Mancher Fan stöpselt um, bis der sprichwörtliche Arzt kommt. Darf man alles machen. Und wer sein Geld nicht verdienen muss, sondern bekommt, der soll gefälligst auch zig Tausende für seine Kabelage ausgeben. Alle anderen dürften getrost basteln und probieren. Zum Einstieg empfehle ich den billigsten Klingeldraht, den Sie bekommen können. Und klar, Phonokabel sollten eine Abschirmung haben, und im Falle eines MM-System eine möglichst geringe Kapazität mitbringen.


Vorsicht Starkstrom. Steckt ein derart gewaltiges Schiffstau in der Schukodose, muss die Anlage ja regelrecht vor Kraft und Energie bersten. Vor allem, wenn man dann noch aufs heftige Preisschild schaut. Hauptsache, die simplen Unterputz-Kabel werden nicht aus der Wand gerissen.

Experimente mit unterschiedlichen Lautsprecherkabeln gehören seit geraumer Zeit zum Unterhaltungsprogramm der HiFi-Extremisten. Und, ja, Unterschiede sind tatsächlich hörbar. Etwa bei diesen drei Kandidaten: Reinsilber-Solidcore in Luftisolationsgewebe (links), Flachband-Solidcore Kupfer versilbert (Mitte und Hintergrund) und typische Baumarkt-Zwillingslitze mit 2,5 mm3 Querschnitt. Am Ende entscheiden jedoch immer die persönlichen Vorlieben, die Anlagenkonfiguration und der gehörte Musikstil über Wohl und Wehe. Bei diesem Trio ging der "Testsieg" an das Reinsilber. Allerdings hingen auch Hochwirkungsgrad-Lautsprecher am Ende der Leitungen.

 

 

 

DER SCHMETTERLING -

UND DIE BRÜCKE

 

Wenn sich ein Schmetterling auf die Autobahnbrücke setzt, biegt sich das Bauwerk durch. Diese im Resultat zwar unbedeutende, aber physikalisch betrachtet völlig korrekte Aussage sollten Sie sich ins Gedächtnis rufen. Und zwar immer dann, wenn es um den höchst unterhaltsamen Themenkomplex "HiFi und Tuning" geht. Dahinter steckt eine Erkenntnis, die Ihnen viel Geld sparen hilft, ohne dass Sie dabei den Spaß an Ihrem Hobby verlieren. Und um den Spaß an der Freude geht es schließlich.

 

 

KABEL:

Mal ganz provokant und gegenüber allen Kabel-Alchemisten ungerecht in die Tüte gesprochen: Es gibt keine 5000 Euro-Kabel. Nur 50 Euro-Kabel, die für 5000 Euro verkauft werden. Selbstverständlich beeinflussen Kabel die klangliche Balance der Anlage. Besonders gilt das für die empfindliche Verbindung zwischen Tonabnehmer und Vorverstärker. Siehe auch Kabelkapazität in Verbindung mit einem MM-Tonabnehmer. Bislang konnte aber noch niemand glaubhaft erklären, weshalb die zwei Meter zwischen Verstärker und Box die Klangwelt auf den Kopf stellen sollen, wenn im High End-Verstärker und in der High End-Box selbst einfachstes Kabelmaterial offenbar vollauf genügt.

 

 

Und noch etwas: Lesen Sie den nächsten Kabeltest unter dem Bewusstsein, dass der meinungsbildende Autor mit seinem "Testbericht" weder den guten Anzeigenkunden noch die vielen "kabelgläubigen" Leser verprellen möchte. Dann werden Sie die wohlfeilen Klangumschreibungen genau richtig einordnen können. Was nebenbei auf so ziemlich jeden anderen "HiFi-Test" auch übertragbar ist.

 

 

 

CHIPS, STEINE UND SCHÄLCHEN:

Der Handel hält wunderbare Hilfsmittel bereit, die Ihr Klangerlebnis zu Hause  ins Unermessliche steigern können. Richtig ist, wer sich in positive Stimmung bringt, hört besser (zu). Deshalb ist Einbildung durchaus auch Teil der Wahrheit. Es gilt letztlich das Gleiche wie bei den Kabeln. Wer Geld hat, der soll es gefälligst auch ausgeben. Alle anderen können mit kreativer Eigenleistung gleichfalls ins unergründliche Klangnirwana vorstoßen (halbvolle Weinflaschen statt Klangschalen...).

 

Jeder zusätzlich im Raum installierte Gegenstand bewirkt eine physikalische Änderung der akustischen Gegebenheiten. Siehe unser Eingangsmotto "Der Schmetterling und die Brücke". Wenn Sie an die Wirkung einer halbvoll mit Quellwasser gefüllten, auf dem Lautsprecher abgestellten  Kupfervase glauben, dann funktioniert das auch. Im nächsten Schritt kommt dann eine Filzunterlage unter die Vase, oder ein Stück Leder. Naturmaterialien verstärken bekanntlich den Mystikfaktor. Teure Edelmetalle wie Gold oder Platin machen alles noch viel besser, ist doch klar. Und eröffnen dem Handel ungeahnte Gewinnmargen. Es sei ihnen gegönnt, ergreifende Unterhaltung ist schließlich ein kostbares Gut. Alleine Sie müssen entscheiden, ob Ihnen etwa vier lackierte Holzklötzchen in edler Samtverpackung 1200 Euro wert sind oder nicht.

 

HiFi-Journalisten, die sich die zumeist schamlos überteuerten Tuningartikel nicht selbst kaufen müssen, behelfen sich im Verlagsinteresse gerne in ihrer Berichterstattung mit Umschreibungen wie: "wer heilt, hat recht", oder "...die letzten Klangpromille sind immer die teuersten....". Ergo sei der "gefühlte Klanggewinn" durch das Produkt doch den (ähem, stolzen) Preis wert. Und letztlich sind Preis und Wert immer eine relative Kiste. Eine Flasche Wasser in der Wüste kann unbezahlbar wertvoll sein.

 

Geben Sie Ihr Geld ab und zu auch für Konzertkarten aus. Nur live ist wirkliches Leben. Wobei Sie mitunter feststellen werden, dass die Anlage zuhause um Welten besser klingt als die trötig übersteuerte Live-PA vor Ort. Auf der anderen Seite ist zu bemerken, dass es die überpräsenten Höhen, wie sie viele "High Ender" im Sinne einer "richtigen" Wiedergabe besonders schätzen, bei echten Live-Konzerten - ohne elektrische Zusatzverstärkung - nicht gibt.

 

Oder wie es ein guter Bekannter einmal formulierte, der jahrelang als Opernkritiker tätig war: "So gut wie vor einem Paar elektrostatischer Flächenlautsprecher hörst du die Musik in keinem Konzertsaal."

 

 

RAUMTUNING:

Ganz wichtig. Denn die Raumakustik ist für den erlebten Klang der Anlage entscheidend. Zimmer, in denen man sich schlecht unterhalten kann, haben eine mangelhafte Akustik. Dort klingt keine Musikanlage (und auch kein Instrument) richtig gut. Bevor Sie Geld für Kabel und teure Komponenten ausgeben, sollten Sie den Raum selbst optimieren. Es müssen ja nicht gleich die alten Eierkartons zur Minderung von Schallreflexen an die Wände gepappt werden. Wenn das Zimmer auch Wohnraum sein muss, sollte mit Teppichen, Bücherregalen und Zimmerpflanzen experimentiert werden. Testen Sie auch "unorthodoxe" Aufstellungen der Lautsprecher aus, etwa diagonal im Raum.

 

Große, glatte Flächen wirken immer als Schallreflektoren. Gegen große Glasflächen abstrahlende Lautsprecher klingen nach Eislauf-Disco. Faustregel: Lautsprecher immer mit dem "Rücken" zu den Fenstern aufstellen. Wer voll verglast lebt und auf den Ausblick während des Musikhörens nicht verzichten möchte, kann das Reflexionsproblem teilweise durch Lautsprecher entschärfen, die Hoch- und Mittelton über Horntreiber abstrahlen. Der Schall wirkt damit gerichteter und hat einen geringeren Reflexionsanteil als übliche Kalotten-Hochtöner, die dafür ein besseres Rundstrahlverhalten haben.

 

Nicht zuletzt: Raumklima, Architektur, Materialien, Lichtverhältnisse und Farbgebung nehmen Einfluss auf die Gefühlslage und damit auch auf das Empfinden von Musik, ganz gleich ob live gespielt oder von Konserve.


Bevor man an die Anschaffung teurer Spezialkabel denkt, sollte die bereits vorhandene Technik bestmöglich in Schuss gebracht werden. Eine typische Schwachstelle bei älteren Plattenspielern mit SME-Kupplung am Tonarm sind die kleinen Kontaktstifte in der Headshell. Schleichend hat sich dort über die Jahre gerne ein feiner Korrosionsbelag ausgebreitet, der den Signalfluss beeinträchtigt. Zur Reinigung sei 2000er Schleifpapier empfohlen (auf keinen Fall unter 1000er Körnung gehen). Einmal darüber ziehen reicht. Die entsprechenden Gegenkontakte im Tonarm erreicht man am besten mit einem abgeknipsten Holzzahnstocher, auf dessen stumpfes Ende man ein winziges Stück eben dieses 2000er Schmirgelpapiers geklebt hat. Den Zahnstocher zum Schleifen leicht zwischen Daumen und Zeigefinger drehen. Das Resultat ist mitunter ein völlig neuer Plattenspieler. Also unbedingt die betreffenden Kontakte kontrollieren und bei Verdacht reinigen. Gleiches gilt für sämtliche Steckverbindungen rund um die Verkabelung der Anlage

 

 

Hörtuning

 

Highenders Lieblingsspruch lautet bekanntlich: Aber ich höre es doch! Merke: Hören ist eine individuelle Angelegenheit. In typischen Vorführrunden beurteilen Hörer die Qualitäten der präsentierten Audiotechnik nicht selten völlig konträr. Besonders dann, wenn es um die oft teuer zu bezahlenden Restfeinheiten einschlägiger High End-Ware geht. Zu diesem Thema empfehle ich einen Eigenversuch: Hören Sie sich ein und das selbe Stück auf ein und der selben Anlage zehnmal in kurzer Abfolge an. Sie werden jedesmal kleine Veränderungen feststellen.

 

Denn gehört wird letztlich nicht alleine mit den winzigen Mechanik-Wunderwerken in den Gehörgängen, sondern mit der Auswertung der "Daten" im Gehirn. Am eindrucksvollsten funktioniert dieses Experiment mit einem bislang unbekannten Musikstück. Durch Ihre geschärfte Aufmerksamkeit werden Sie mit jedem neuerlichen Hördurchgang die Musik Schicht für Schicht wahrnehmen. Dabei entdecken Sie mit jedem Hören neue Details. Genau mit diesem Effekt wird in den üblichen Vorführ-Hörrunden gespielt, etwa wenn mit sogenannten "informierten Chips" (was nichts weiter ist als selbstklebende Alufolie) die Anlage "getuned" wird. (Den gleichen Effekt können Sie zuhause viel günstiger erzielen, wenn Sie auf Ihrer Anlage hübsche Kieselsteine oder Rosenquarze auslegen. Noch besser sind kleine Meteoriten-Reste. Bekommt man schon für um die 10 Euro das Stück. Mörder Mystikfaktor....)

 

Ein beliebter Trick bei Vorführungen ist auch das Einspühen von CDs mit einer Wundertinktur (50 Milliliter nicht unter 30 Euro). Alleine der Gedanke an Feuchtigkeit und zerstäubte Tröpfchen lässt die Wiedergabe sogleich "geschmeidiger und flüssiger" werden. Begründet wird die Wunderwikung zumeist mit besserer Auslesbarkeit durch den abtastenden Laserstrahl. Gegenargument: Sprühen Sie das Zeug doch auf ihr Fotoobjektiv. Dann müssten die Bilder ja auch schärfer werden.

 

Mit Suggestion lässt sich der erlebte Klangreichtum in die gewünschte Richtung lenken: "Achten Sie auf die kristallklaren Höhen der Bändchenhochtöner", empfiehlt der Händler bei der Vorführung. Das Wort "kristallklar" reicht bereits aus, um im Hirn den Resonanzboden für den entsprechenden Höreindruck zu bilden. 

 

Aus dem gleichen Grund lassen auf Holzklötzchen gelagerte Lautsprecherkabel die Töne freier fließen oder bringen schwere Masselaufwerke einen tiefen Bass und mehr Ruhe ins Klangbild. Würde man bei der Vorführung den Plattenspieler nicht sehen, würde das Hörerlebnis möglicherweise ganz anders bewertet werden.

Prüfen Sie sich also bei allen "Hörtests" stets selbst: Höre ich das wirklich? Täusche ich mich selbst? Bei Unsicherheiten empfiehlt sich zum frischen Justieren der Hörsinne ein Umswitchen auf ein anderes Abspielmedium. Etwa CD oder Radio. Dann nochmals bei Null mit dem Prüfen der anvisierten Plattenspieler-Komponente beginnen. Wer sich selbst besser kennt, kennt auch seine Anlage besser.

 

Und schließlich wäre da noch das Bio-Tuning. Nach einem heißen Vollbad spielt ihre Anlage besser, Sie hören mehr Details. Das liegt am dann gut durchbluteten "Hirnkastl". Einen vergleichbaren Effekt können Sie mit einem Glas Rotwein erzielen. Alkohol regt die Durchblutung an. Bei Überdosierung erzielen Sie damit aber das blanke Gegenteil - von den Folgeschäden ganz zu schweigen.

 

 

 


Tuning muss nichts Schlechtes sein. Ein extrem leichtes "Reibrad by Schiller-Phono" aus Delrin mit zusätzlichen Gewichtsbohrungen sieht nicht nur schick aus, es wirkt sich auch positiv auf die Laufruhe des beliebten Vintage-Spielers Braun PS 500 aus. Der besondere Kniff ist der verbreiterte Lagerabstand des Reibrads - von serienmäßigen 6,5 auf 16 Millimeter - mit zusätzlicher Versteifungsbrücke. Dadurch wird das Reibrad wesentlich exakter geführt als im Serienzustand. Die Güte des Antriebs gewinnt deutlich und hebt die Performance des Spielers auf ein Niveau, das auch verwöhnten Analogisten gefallen dürfte.

 

 

 

DAS IDEAL - UND SEINE ZERSTÖRUNG

 

So eine Gemeinheit. Da hat man nun in jahrelanger Feinarbeit seine Stereoanlage mit viel Feinschliff auf einen "endgültigen" Stand gebracht. Die Musikwiedergabe ist durchsichtig, räumlich, dazu federnd und emotional packend. Wirklich besser geht es von Konserve nicht, nur noch anders. Dann kommt der entscheidende Tag. Der Umzug in ein neues Domizil steht an. Mit dabei - selbstverständlich - die geschätzte Musikanlage.

 

Im neuen Eigenheim haben Sie sich sogar den Luxus eines speziellen Musikzimmers geleistet, schön groß und hell, mit einer ausgetüftelten Stromversorgung. Rasch sind die Komponenten mit geübten Handgriffen installiert, und die musikalische Einweihung der neuen Räumlichkeiten kann mit der aktuellen Lieblingsplatte gefeiert werden. Doch die Freude verfliegt mit den ersten Tönen: Es klingt nicht. Und nicht nur das, es klingt überhaupt nicht. Matt, farblos, flach, blutleer.

 

Was ist nur passiert? Alle Geräte sind die selben geblieben, alle Kabel und auch alle Racks und Spikes. Die Ausphasung der Stromanschlüsse stimmt, und selbst nach stundenlagem Warmlaufenlassen der Anlage tut sich nichts Entscheidendes mehr.

 

Diese Erfahrung, die wohl schon mancher "High Ender" so oder in ähnlicher Form gemacht hat, zeigt einige Sachverhalte sehr nachdrücklich auf: Qualitative Klangbeschreibungen in Fachzeitschriften und Internetforen sind mit Vorsicht zu genießen. Die Kombination hervorragender Einzelkomponenten ergibt nicht zwangsläufig immer und überall ein überragendes Gesamtergebnis.

 

Wir lernen: Eine Anlage muss im jeweiligen Raum wachsen und reifen. Und vor allem muss der Hörer mit seinem Raum reifen. Was auch die stets stark differierenden Meinungen bei Hörsitzungen auf den einschlägigen HiFi-Messen erklären hilft. Obwohl dort in den Räumen der Anbieter/Vertriebe meist mehr Geld zur Vertonung der Musikkonserven an den Start gebracht wird als in den meisten HiFi-Haushalten, treffen doch nur ganz wenige Anlagen den jeweiligen Hörgeschmack des einzelnen Liebhabers. Wobei sich einmal mehr zeigt, dass die entscheidenden Komponenten im ganzen HiFi-Zirkus die Quelle (Musikaufnahme und Abspielgerät), das Schall-Übertragungsmedium (Lautsprecher) und der Raum (akustische Gegebenheiten) sind.

 

In diesem Zusammenhang fällt mir immer wieder eine Begebenheit ein, die schon einige Jahre zurückliegt. Damals besuchte ich einen Oldtimermarkt in Ulm. Mitten in einer großen Ausstellungshalle hatte ein Händler neben Automobilia-Krimskrams eine alte Musikbox aufgestellt. Ich meine, es war eine Seeburg. Darauf lief Elvis mit "The Girl of my best Friend". Ich habe diese Aufnahme seither nie wieder so eindringlich-ergreifend gehört, wie auf dieser "Anlage".