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Führungskraft gesucht - Tonarm selbst gemacht


Für den Einstieg ist es hilfreich, auf Serienteile zurückzugreifen. Hier wurde jeweils ein Thorens TP 16-Arm umgestrickt. Oben mit gebogenem Tonarmrohr aus Leichtmetall, unten mit einem geraden Carbonrohr. Alternativ kann man sich bei solchen Aktionen immer mit Halbzeugen, also geeigneten Rohrmaterialien aus Leichtmetall, Edelstahl oder Messing behelfen. Außen- und Innendurchmesser der Halbzeuge werden dann passgenau für einen teleskopartigen Aufbau ausgewählt. Die sichere Verbindung der Teile erreicht man mittels Zweikomponenten-Klebstoff. Der weiter unten gezeigte Einpunktarm ist ein gutes Beispiel für diese Vorgehensweise.

Tonarme sind merkwürdige Gesellen. Auf der einen Seite werden ihnen geradezu magische Einflüsse auf die Klangqualitäten der Plattenspielers zugesprochen, auf der anderen Seite scheint es so gut wie keine Konstruktionsregeln zu geben. Als Käufer oder Selbermacher kratzt man sich da mitunter ein wenig ratlos am Kinn. Neben dem klassischen Drehtonarm überzeugen nach wie vor jene Überlegungen, die einen tangential die Rillenmodulation abfahrenden Tonarm als überlegen einordnen. Dann gibt es noch Drehtonarme mit tangentialem Ausgleich, der mittels schwenkbarer, über Schubstangen betätigter Headshell bewerkstelligt wird. Und um die Verwirrung komplett zu machen, bejubeln Fachredakteure einen aus Japan stammenden Drehtonarm (Rigid Float), der wie eine Eins gerade gebaut ist und ohne jegliche Spurwinkeloptimierung scheinbar hervorragende Abtastergebnisse liefert. 

 

Auch in Sachen Lagerung des Tonarms ist offensichtlich vieles möglich. Man denke etwa an den genialen Well-Arm, der mit einem am Fadentrapez aufgehängtem Golfball bestens funktioniert. Ansonsten trifft man auf Magnetabstützung, Nadel-Spitzenlager, übliche Wälzlager und in Form des AMG-Arms sogar auf ein Vertikallager, das mittels zweier dünner Federdrähte mit je 0,5 Millimeter Durchmesser arbeitet. Das ist das glatte Gegenteil eines leichtgängigen Lagers, wie es ansonsten inklusive Anblastest immerzu von den "Experten" beschworen wird. Aber die Federdrähte funktionieren offenbar so gut, dass Fachleute auch dem ungewöhnlichen AMG-Arm begeisterte Kritiken zollen.

 

Für den Selbermacher ist diese bunte Spielwiese Herausforderung und Aufforderung zugleich. Wenn offensichtlich vieles möglich ist, darf man sich frohen Mutes völlig vorbehaltlos und frei ans Werk machen. (Was übrigens nicht nur für Tonarme gilt.) Denn um sich als Normalverdiener vom Nettoeinkommen  einen der sagenumwobenen High End-Tonarme leisten zu können, muss man schon zwei bis drei Monate tüchtig malochen. Und so lange braucht man für einen Eigenbau garantiert nicht. Zumeist genügt ein verregnetes Wochenende. Dass selbst primitivste Bastelkonstruktionen ausgezeichnete Klangergebnisse bringen können, ist hinlänglich bewiesen. Es geht also darum, die Bastelei halbwegs nach etwas "Gescheitem" aussehen zu lassen. Hier ein paar Vorschläge als Aufforderung zum Mitmachen.

 

Außerdem: Eigenbau ist eine gute Geschichte, wenn es darum geht, sich endlich einen Tonarm mit 12 Zoll effektiver Länge (oder noch länger) zuzulegen. Lange Tonarme sind nach meinem Dafürhalten deshalb vorteilhaft, weil der Skatingeffekt durch die geringere Tonarmkröpfung nicht so stark ausfällt wie bei einem 9-Zöller. Durch Skating und die entsprechend eingestellte Kompensation wirken auf den abtastenden Nadelträger unerwünschte Kräfte mit entsprechedem Störpotential. Was auch die als ruhiger empfundene Wiedergabe durch Tangential-Arme erklärt. Letztere stellen eine technisch besonders anspruchsvolle Bauform dar, die selbstverständlich auch durch DIY erkundet werden darf. Aber für den Eigenbau-Anfang genügt ein "simpler" Drehtonarm. Als Fan von intelligenter Einfachheit empfehle ich ein Tonarm-Konstrukt mit Einpunkt-Lagerung.

 

In letzter Zeit erreichen mich mehr und mehr Anfragen rund um die Themen "Tonarmgeometrie" und "Tonarm-Innenverkabelung". Wie immer halte ich mich auch in diesen Punkten von "ultimativen Tipps", Rankings und vermeintlichen Testsieger-Kenngrößen fern. Die Lust am Experimentieren inklusive Erkenntnisgewinn soll beim HiFi-Hobby stets die Triebfeder sein. Denn wie gerade die zahlreichen Profi-Lösungen aufzeigen, führen viele Wege nach Rom. Man darf sich also eingeladen fühlen, einen völlig eigenständigen Weg ans Ziel zu suchen - und eventuell auch zu finden.

 

Zur Abrundung und für den Einstieg ins Bastelvergnügen noch ein paar Basis-Informationen: Wer einen 12 Zöller bauen möchte, kann sich an der Geometrie des SME-Tonarmklassikers Typ 3012 orientieren. Die Daten lauten: Effektive Länge 308,8 mm. Überhang 13,2 mm, Kröpfungswinkel 17,6 Grad. (Die Daten des moderneren SME M2-12 sind praktisch identisch. Alle Angaben aus dem Netz, ohne Gewähr.) Für die Innenverkabelung verwende ich 0,05 mm2-Miniaturkabel aus dem Eisenbahn-Modellbau. Gibt es in allen gewünschten Farben pro Meter für etwa 20 bis 40 Cent (siehe etwa Schönwitz Modellbautechnik). Jenseits kostspieliger Spezialkabel kommen noch Kupferlackdraht mit 0,1 mm Durchmesser oder feine HF-Litze infrage. Empfehlenswert ist auch die feine - und vor allem sehr schmiegsame - Verkabelung, wie sie in den Zuleitungen mancher (defekter) Computer-Mäuse zu finden ist.

 

Stevenson oder Baerwald? Diese beiden Herren haben sich schon vor langer Zeit eingehend mit der idealen Abtastgeometrie im Zusammenhang mit Drehtonarmen beschäftigt. Wer gerne nachrechnet, findet im Netz eingehende Informationen und Formeln. Vergleicht man die Ergebnisse der beiden Herrschaften, dann treten etwa für einen 10 Zoll-Tonarm (250 mm effektive Länge) in den Ergebnissen deutliche Unterschiede zutage. So bevorzugt Stevenson eine geringere Kröpfung (20,8 Grad - Baerwald 22 Grad) und einen geringeren Überhang (14,6 mm, Baerwald 16,5 mm). Stevenson hat bei seinen Überlegungen mehr die inneren Radien mit geringerem Informationsgehalt im Fokus, während sich Baerwald mehr für die ideale Abtastung im mittleren und äußeren Bereich der LP interessiert. Diese Beispiele zeigen einmal mehr, dass man als Schallplattenfreund auch das Thema "Geometrie" als Spielwiese begreifen sollte. Persönlich favorisiere ich die möglichst geringe Kröpfung und würde deshalb in Richtung Stevenson tendieren.

 

Und nun lassen Sie sich bitte von eigenwilligen Tonarmen anstecken und für Ihr eigenes Projekt inspirieren.

 

 


Auch wenn dieser Tonarm vertraut und altbekannt ausschaut, so steckt in ihm doch ein neuartiges Konzept. Getauft habe ich das elegante Stück auf den Namen "Schiller-Phono Rubber Fluid", und damit wird bereits ein Teil von seinem Geheimnis gelüftet. Die Idee war - selbstverständlich - einen klanglich überzeugenden Arm zu bekommen, der jedoch  mechanisch äußert hart im Nehmen ist, und notfalls auch nicht vor Hammerschlägen in die Knie geht. Denn was nützt das super tollste Tonarmlager, wenn es droht, bereits bei einem schlichten Tonabnehmerwechsel Schaden zu nehmen? Wie das Projekt realisiert wurde, dokumentieren die nachfolgenden Bilder.

Was Sie hier sehen, ist das komplette Tonarmlager. Das Horizontallager besteht aus einem gehärteten und polierten 5mm-Stahlstift mit einseitigem Innengewinde M3, dessen gleichfalls polierte, ballige Spitze auf einer Messingschraube aufsitzt. Die Achse selbst läuft ölgeschmiert in der feinbearbeiteten Bohrung im Tonarmschaft, Laufspiel 0,01 mm. Im Prinzip nichts anderes als ein Plattenteller-Lager in Kleinformat. Der Clou ist die Vertikallagerung. Hier kommt ein simples Großserienbauteil zum Einsatz, nämlich ein Silentgummi, wie es allgemein zur Schwingentkoppelung Verwendung findet. In unserem Fall ein recht kleines Exemplar mit M3-Gewindebolzen und 7 Millimeter Außendurchmesser. Resonanzdämpfung auf kleinstem Raum. Die Frage war also: Kann so ein Wabbelgummi als Präzisionslager überhaupt funktionieren? Getreu des Eingangsmottos "Nichts ist unmöglich", wurde einfach der aufschlußreiche Praxisversuch gewagt.

Das zusammengebaute Rubber Fluid-Tonarmlager und zwei der Silentgummis, von denen lediglich ein Exemplar zum Einsatz kommt. Der Lagerschaft mit 20 mm Durchmesser kann in üblichen Aufnahmen montiert werden. Als Armrohr dient einmal mehr Carbonrohr mit 10 mm Durchmesser, das mit 2K-Kleber in die Leichtmetallaufnahme gesetzt wird. Ein von unten eingesetzter Metallstift stellt die elektrische Verbindung zwischen Lagergehäuse und Rohr für die Erdung her (Carbon ist elektrisch leitfähig). Das Silentgummi wird an den Schraubbolzen entsprechend mit feiner Kupferlitze gebrückt.

Um die Gummilager-Idee auf die Spitze zu treiben, wurde auch die Headshell-Aufnahme mit einem Silentgummi vom Tonarmrohr komplett entkoppelt. Auf diesen Gedanken hat mich Schiller-Phono-Leser Herr Aulbach gebracht. Sein Tonarmprojekt finden Sie nachfolgend. Das Foto zeigt links die als Rundzapfen ausgebildete Headshell-Aufnahme, dann sehen Sie noch ein kleines Stück des eingeschraubten Gummis, und am rechten Ende die Verbindungsmuffe, die schließlich in das Carbonrohr (rechts) eingeklebt wird. Für einen kontinuierlichen Materialübergang ist die Muffe hinten konisch ausgearbeitet.

Der betriebsbereite Aufbau der Headshell-Konzeption macht die Funktionsweise anschaulich. Für den ersten Funktionstest habe ich nochmals ein älteres Raumnadel-System auf Basis des AT 95 aus der Krabbelkiste gekramt. Für die Innenverkabelung kommt einmal mehr simple Miniaturlitze aus dem Eisenbahner-Modellbau zum Zuge (ha, kleines Wortspiel...). Insgesamt fühlt sich der Arm tatsächlich "butterweich" an, und die Befürchtung, dass dieses Experiment in einem einzigen Klangmatsch endet, ist wahrlich nicht aus der Luft gegriffen.

Stunde der Wahrheit. Die Feuertaufe erleben Arm und Erbauer auf und neben dem Garrard 401. Letzterem wird der Rubber Fluid einfach mit einem improvisierten Aufnahmeturm zur Seite gestellt. Auffällig ist sofort das reduzierte Rillengeräusch. Diese Nebengeräuscharmut kannte ich bislang von meinem alten Garrard nicht. Und statt Mumpf wird fast schon überhelle Präsenz geboten. Die angeschlossenen Altec 604 mussten etwas gnädiger eingepegelt werden. Auch an Bassenergie mangelt es in keinster Weise, im Gegenteil. Und schließlich stimmen auch Attacke und Dynamik im Groben wie im Feinen. Einmal mehr bestätigt dieser "weiche" Arm, das im Tonarmbau viele Wege ans Ziel führen. Für mich ist der Rubber Fluid das bislang fragwürdigste, aber zugleich auch das überzeugendste Konstrukt, das auf einem meiner Spieler Platz genommen hat. Es schaut ganz danach aus, als würden sich weitere Experimente in dieser Richtung mit Vehemenz aufdrängen. Einen Nachteil des Rubber Fluid-Lagers will ich jedoch nicht verschweigen: Die Höheneinstellbarkeit des Arms ist durch den kleinen Beugewinkel des Lagers limitiert. Tolerabel kräfteneutral arbeit das Lager nur in einem Bereich, der bei einem 12 Zoll-Arm an der Nadel einer Hohenauslenkung von plus-minus 5 mm entspricht. Für weitreichende VTA-Experimente müsste also noch eine entsprechend präparierte, weil im Anstellwinkel einstellbare Headshell an Bord. Das Basteln geht weiter...

Zur Stabilisierung des Rubber Fluid-Arms wurde noch ein unterhängiges Gewicht aus Edelstahl, Leichtmetall und Elsbeerenholz angefertigt. Die Klemmung erfolgt mittels quergebohrtem Zugbolzen. Weil die Lagerkonzeption keine Kabelführung durch die Tonarmachse erlaubt, wurden die Käbelchen möglichst nahe an der Achse nach oben in einem weichen Bogen herausgeführt. Somit bleibt der Einfluß der Verkabelung auf die Leichtgängigkeit des Arms unerheblich.

Selbst mit dem aus dem Handgelenk improvisierten Aufbau neben dem Garrard spielt der Rubber Fluid-Arm aus dem Stand überzeugend. Für die "Freiland" verlegten Käbelchen soll noch eine partielle Abschirmung her. Dann fehlen nur noch der Lift und eine Rastvorrichtung für die Ruheposition.

Herr Aulbach aus Vielitzsee/Brandenburg schreibt zu seinem Tonarm-Projekt: 
Angeregt durch ihre Website möchte ich ihnen heute mal ein paar Bilder meines ersten Projektes zeigen. Ein umgebauter Thorens TP11. Jetzt 12 Zoll mit Carbonarm und durchgehender Verkabelung bis zum VV. Die Aufhängung für das Antiskatinggewicht musste ich ebenfall neu anfertigen. Die shell besteht aus Eiche und 3mm Carbonstäbchen. Die Basis ist so konstruiert, dass alle Übergänge von einer Komponente zur anderen gummigepuffert sind. Von den Spikefüssen zu den Rohren, von da zur Ulmenholzscheibe, von da zur Originalbasis. Auch da haben die Schrauben keinen direkten Kontakt. Das Ergebnis dieses Umbaus ist hörenswert. Auf einer Liveplatte von Larry Carlton höre ich jetzt auch das leise Rauschen und Brummen seiner Verstärker, und zwar punktgenau. Schön! Das nächste Projekt, ein 14-Zoller ist schon in Arbeit. Mit dem Raumnadelsystem hatte ich noch nicht so viel Glück. Habe zwar, siehe Bilder ein AT 95 in Elsbeere eingepackt, aber beim Anbringen der Stäbchen mich dann doch zu ungeschickt bzw. zu unkonzentriert angestellt. Musste leider schon Ersatznadeln kaufen...

Raffiniertes Detail: Gummi-entkoppelte Headshell am Aulbach-Tonarm

Aulbach-Tonarm in seiner ganzen Pracht. Ausgangsbasis für den 12 Zoll-Umbau ist ein Thorens TP 11-Arm. Von dem wurde die Lagereinheit samt Tonarmgewicht übernommen, als Tonarmrohr wurde ein Carbonrundprofil verwendet

Weiteres Tonarm-Projekt aus dem Hause Aulbach. Wieder auf Thorens TP11-Basis, diesmal mit 14 Zoll Baulänge. Headshell aus Zedernholz, auf kleiner Schieferplatte mit Magneten und Gummipuffer gelagert. Rohradapter seitlich an der Spielerzarge

12 Zoll-Tonarm für Braun PS 500. Die Idee bei diesem Projekt war, dem Design-Klassiker PS 500 einen stilistisch passenden 12 Zoll-Tonarm zur Seite zu stellen. Das wurde wörtlich genommen, denn der Tonarm wird einfach auf einem Dreibein neben dem Spieler positioniert. Basis für den Umbau ist ein PS 500-Tonarm aus einem ausgeschlachteten Spieler. Von ihm wurden Gegengewichte, Vertikallager und SME-Anschluss übernommen. Der Rest ist neu. Und der Arm passt selbstverständlich auch noch neben viele andere Plattenspieler.

Entgegen der rechtwinkeligen Wirkebene beim Serienarm wurde das Vertikallager passend zum Kröpfungswinkel schräg positioniert. Der Arm wird in drei Ebenen balanciert. Serienmäßig erzeugt die Auflagekraft eine Feder. Damit wäre der Spieler theoretisch auch in senkrechter Position spielfähig. Bei diesem Projekt spielte diese Überlegung keine Rolle. Die Auflagekraft wird alleine über das Ausgleichsgewicht justiert. Das große Gegengewicht läuft auf einem M12x1-Gewindeteil, das vorbildlich per Gummielement vom Hauptrohr entkoppelt ist. Die Koppelstelle verdeckt das Gewicht, somit bleibt das Erscheinungsbild "clean". Nicht zu verwenden ist das serienmäßige Horizontallager des Braun-Tonarms. Es wird komplett durch ein bewährtes Horizontallager vom Bautyp SME 3009 ersetzt. Ein passendes Adapterstück aus Messing stellt die Verbindung her.

Das Tonarmrohr besteht aus matt eloxiertem Leichtmetall (im üblichen Marketingsprech gerne als "oberflächengespannte Keramikbeschichtung" bezeichnet - trotzdem in jedem Baumarkt zu bekommen). Es hat 10 Millimeter Außendurchmesser und 8 Millimeter Innendurchmesser. Das entspricht exakt dem serienmäßigen Braun-Tonarm. Das lange Rohr ist zusätzlich mit einer durchgehenden Balsaholzleiste bedämpft. Als Basis dient ein schwerer Messingrundling, die Beine sind aus M8-Messing-Gewindestangen, Aluüberrohren und M8-Kunststoff-Kugelköpfen gebaut.

Freie Auswahl zwischen 9 Zoll Serien-Tonarm und 12 Zoll Zusatzarm. In dieser Kombination ein äußerst attraktives Vintage-Set. Wie man sieht, wurde auch der Serienarm neu verkabelt und direkt an Cinch-Buchsen gelegt. Die sind mit Adapterplatte am Seriengehäuse angebracht. Somit kommt man ans Umbauziel, ohne das Seriengehäuse unwiederbringlich mit Bohrungen zu verändern. Die Kabel werden durch die Belüftungsschlitze geführt.

Etwas aus der Ready made-Ecke. Man nehme ein T-Stück vom Installateur, dazu drei Fahrradspeichen, Messing-Spreizdübel und Edelstahlrosetten aus dem Metallbau. Sieht verwegen aus und ist garantiert das Gegenteil eines "resonanzarmen" Tonarmrohrs. Bei dem Exemplar hier fehlt noch die Verkabelung. Da tut es für den Anfang simpler Kupferlackdraht mit 0,1 mm Durchmesser. Dickere Käbelchen sind robuster, aber auch störrischer. In größeren Bögen oder direkt durch den Armschaft verlegt, bleibt die erforderliche Leichtgängigkeit gewahrt

Langer 14-Zoll-Arm aus dem Hause Rossner & Sohn. Interessant ist die Lagerung des Arms. Sie besteht lediglich aus einem vertikal eingespannten Kevlarfaden, an dem das Armrohr mittels Zentralverschraubung festgeklemmt wird. Geniale Einfachheit, die dennoch teuer zu bezahlen ist

Bei diesem schönen Tonarm ist ein Salatbesteck aus Kirschholz mit im Spiel. Das Einpunktlager wird seitlich unten am Tonarmschaft (Messing) über eine Stahlklinge abgestützt. Den nötigen Anpressdruck erzeugt der seitliche Ausleger mit Gewicht, der zugleich die Antiskating-Vorrichtung darstellt. Die Antiskatingkraft bewerkstelligt eine gekippte Achse. Die Wirkung lässt sich über zusätzlich angeklemmte Gewichte und den justierbaren Auslegerabstand regulieren. Und die Kraft nimmt zum Plattenmittelpunkt hin ab, so, wie es sein soll. Was ausschaut wie das Untergestell eines medizinischen Geräts, ist der direkt angetriebene Denon DL-2700. So funktional das Design, so bestechend die Laufruhe. Das japanische 100 Volt-Gerät kann hierzulande mittels Umspanntrafo betrieben werden. In diesem Fall erledigt den Job ein regelbarer Grundig-Trenntrafo. Damit läuft der Motor absolut frei von jeglichen Antriebsgeräuschen. 

Salatbesteck-Tonarm mit verfeinerter System-Aufnahme. Die gezeigte Bauart mit quer gebohrtem und über die Befestigungsschraube zugleich geklemmtem Rundmaterial zur Befestigung des Tonabnehmersystems ist solide und immun gegen unliebsame Resonanzen. Zudem bietet sie durch Verschieben und Verdrehen einfache Einflussnahme auf die Überhangeinstellung und den vertikalen Nadel-Abtastwinkel (Azimut). Durch unterschiedlich im Winkel gebohrte Systemaufnahmen lässt sich auch der Kröpfungswinkel feinanpassen. Insgesamt also eine nahezu ideale Lösung. Der ins Holz eingeklebte Leichtmetalldorn geht im Holz mit einem dünneren Durchmesser noch tiefer ins Material. Der offen gezeigte Durchbruch ist ein kleines Stilelement. Gebohrtes Headshell sollte saugend auf den Dorn passen, damit nur geringe Klemmkräfte durch die eine M 2,5-Schraube erforderlich werden. Ein weiterer Vorteil dieser Bauform ist die Möglichkeit, diverse  Headshell-Materialien - auch unter klanglichen Aspekten - auf einfache Art und Weise verwenden zu können. Das gezeigte Shell ist aus Resitex, ein uralter Isolationswerkstoff aus Harz und Stoff. Möglich sind ferner Aufnahmen aus Holz, Acryl oder Leichtmetall. Die Spielwiese ist eröffnet.

Salatbesteck-Tonarm in der Vollansicht. Ein wichtiges Thema bei allen Tonarmspielen ist die Erdung der Konstruktion. Besonders aufwendig wird die Geschichte bei einem wie hier gezeigten Arm in "Hybridbauweise", aus elektrisch leitenden und nicht leitenden Werkstoffen. So ist der Headshell-Aufnahmedorn aus Leichtmetall über eine unter dem Arm verlaufende Kupferarmierung mit dem zentralen Messinglager in der Tonarm-Holzglocke verbunden. Letzeteres geschieht über einen federnden Kontakt. Von dort wird über die Einpunkt-Lagerspitze ein zuverlässiger Kontakt zum Tonarm-Sockel hergestellt. Die Krokodilklemmen zeigen noch die improvisierte Kontaktierung mit Vorverstärker und Gerätemasse. Als Tonarmverkabelung dient Solidcore-Material mit versilbertem Kupferleiter. In Bögen verlegt, behindert das ansich steife Material die Beweglichkeit des Arms nicht. Kritisch ist lediglich der zwangsläufig große, ungeschirmte Bereich der Verkabelung. Die effektive Baulänge dieses Arms beträgt 10 Zoll (250 mm). Der Kröpfungswinkel liegt bei 22 Grad.

Unter dem Namen "Primary Control" wird dieser Tonarm in Kleinserie hergestellt. Typische High End-Ware mit entsprechendem Preisschild. In dem seitlichen, höheneinstellbaren Ring ist das Armrohr auf einem seitlich geführten Einpunkt-Spitzenlager fixiert. Als Tonarm kommen diverse Werkstoffe, von Schlangenholz bis Karbon, zum Einsatz. Despektierlich könnte auch von gehobener Bastelarbeit gesprochen werden. Immerhin liefert dieser Tonarm ein schönes Beispiel für das weite Feld der Möglichkeiten, die sich dem engagierten Eigenbauer auftun. Vieles ist möglich, also einfach per DIY ausprobieren

Wir bauen uns einen schönen, langen Tonarm. Als Ausgangsmaterial dient wieder einmal das Tonarmlager eines Thorens TP 11/16. Das serienmäßige Tonarmrohr wird mittels passgenau aufgeschobenem und dann verklebten Leichtmetallrohr verlängert. Dazu kommt ein nicht eloxiertes Rohr mit dem Maßen 9 x 8 mm aus dem Flugmodellbau zum Einsatz. Der schwierigste Part ist, dem Rohr eine harmonische, winkelgenaue Biegung zu verpassen. Dazu muss man sich eine einfache Biegevorrichtung aus Holz fabrizieren. Die stellt beinahe den größten Aufwand an der ganzen Tonarmbastelei dar

Das Tonarmrohr bei diesem Eigenbau ist dreiteilig. Neben dem serienmäßigen Thorens-Innenrohr kommen noch zwei Außenrohre zum Einsatz. Das ergibt insgesamt eine gestufte Wandstärkenverjüngung bis zur Headshell. Der Übergang des großen Grundrohrs wurde im Stil einer klassischen Fahrradmuffe im typischer Vogelzungenform gestaltet. Ist mal 'was anderes und schaut elegant aus

Betriebsbereiter Arm mit angeklemmter Headshell und eingezogener Innenverkabelung aus feinen Modellbahn-Käbelchen. Mit 15 Gramm effektiver Masse gehört der Arm zur mittelschweren Sorte und dürfte von daher für eine Vielzahl von Tonabnehmern infrage kommen

Die Headshell ist ein Mix aus mit Schellack behandeltem Elsbeerenholz und 3 mm dicken Karbonstäbchen. Der vordere Schlitten ist ebenfalls aus Elsbeere, durch Längsverschieben lässt sich der Überhang einstellen. Die System-Befestigungsschrauben übernehmen zugleich die Klemmung des Schlittens. Der Grundblock der Headshell ist radial ans Armrohr geklemmt. Nach Lösen der beiden Klemmschrauben kann die Shell gedreht werden. Somit kann ein eventueller Schiefstand der Abtastnadel ausgeglichen werden (Azimut). Im Klemmbereich ist das Armrohr mit einem eingeklebten Rohrstück verstärkt. Gut ist die eigentliche Wandstärke des vorderen Tonarmrohrs zu erkennen. Sie beträgt hier 0,5 mm. Zum Lager hin nimmt die Wandstärke auf bis zu 1,5 mm zu. Durch den geschichteten Aufbau werden Resonanzen wirkungsvoll unterbunden

Der 13 Zoll-TP-Tonarm aus der Heckansicht. Die kardanische Lagerung des Thorensarms lässt sich sehr feinfühlig einstellen. Zumeist ist das Spiel ab Werk zu groß. Man findet zwei Arten von Lager: Die älteren TP 16 verfügen über Wälzlagerungen (Kugel-Spitzenlager). die späteren Modelle sind eine Kombination aus reiner Spitzen- und (horizontaler) Wälzlagerung (unterer Lagerpunkt). Vorteilhaft ist der große Lagerabstand in der horizontalen Führung. Das schafft Präzision. Weitere Besonderheit ist die magnetische Antiskating-Einrichtung (nur TP 16)

Seitenansicht des ausbalacierten Arms. Sollte ein schweres System in die Headshell wandern, muss auf alle Fälle noch eine Zusatzmasse am Gegengewicht angebracht werden. Bei einem System bis 7 Gramm sollte das serienmäßige TP 16-Gewicht noch ausreichen. Die Praxis wird's zeigen

Einpunkt-Spitzenlager bieten sich für ein Selbstbauprojekt an. Sie sind einfach herzustellen, absolut spielfrei und führen schnell zum Erfolg. Der gezeigte Arm hat ein teleskopartig aufgebautes Tonarmrohr aus einem Carbon-Leichtmetallmix. Die Tonabnehmeraufnahme besteht aus Resitex, dessen geschlitzte Querbohrung zum einen die Kröpfung vorgibt, zum anderen eine solide Befestigung inklusive Azimut-Einstellung ermöglicht. Das Tonarmgewicht stammt wieder von einem TP 16. Seitliche Gewichte stabilisieren die Spitzenlagerung zusätzlich

Lagerjoch des Thorens TP 16-Tonarms aus der komplett wälzgelagerten Erstserie. Mit 75 Millimeter Lagerabstand ist die Horizontalführung optimal gelöst. Die geschwungenen Wangen des äußeren Lager-Aufnahmeauges bieten ein gewisses Maß an Flexibilität und können somit Spannung im Lageraufbau kompensieren. Tatsächlich lassen sich sämtliche Lager des TP 16 überaus feinfühlig und exakt justieren. Tolle Sache

Oberes Lager des TP 16 im Detail. Da hat der Hersteller seinerzeit richtig Aufwand getrieben. Gut ist der in das Lagergewinde eingelassene, umlaufende Kunststoffring zu erkennen. Der Ring sichert eine definierte Schwergängigkeit des Gewindes, Voraussetzung für feinfühliges Einstellen. Bei späteren TP 16-Typen wurde an dieser Stelle in Form einen simplen Spitzen-Gleitlagers vereinfacht, was der reinen Funktionstüchtigkeit allerdings nicht schadet

Zwölfzoll-Tonarmklassiker von Ortofon oder SME sind eine Zierde für jedes Vintage-Laufwerk. Hier wurde eine eher ungewöhnliche Kombination mit dem 50er Miracord Elac-Reibradspieler in einer großen Naturholzzarge verwirklicht. Als Basis für den klassisch gebogenen Arm dient einmal mehr der TP 11-Arm aus dem Hause Thorens. Das 9er Leichtmetallrohr ist innen mit einer eingeklebten Holzleiste bedämpft. Geklemmte und somit Azimut-einstellbare Headshell aus mit Schellack behandeltem Elsbeerenholz. Seitliches Gewicht zum Ausgleich der Kröpfung für gleichmäßige Lagerbelastung. Das Gewicht aus verchromtem Messing stammt von einem unbekannten Tonarm. Die gummibedämpfte Kunststofflagerung des Thorens-Arms wurde darin adaptiert. Effektive Tonarmlänge 330 Millimeter, also 13 Zoll. Insgesamt ein wirklich schönes Set, das sich im Reproduktionsergebnis vor bekannten englischen und Schweizer Reibrad-Größen überhaupt nicht zu verstecken braucht

Noch ein Detail des TP 16-Tonarms, diesmal die Kegelspitzen des Vertikallagers und die dicke Aufnahme für das Tonarmgewicht. Diese Aufnahme wird serienmäßig mittels Kunststoffring vom Tonarmrohr entkoppelt. Gute Idee, allerdings wurde das Ganze mit der kleinen, vorne zu sehenden Blechschraube wieder durchgehend fixiert und damit in der Wirkung torpediert. Schraube weglassen und stattdessen mit Pattex verkleben, das wäre eine Lösung

Das sind die Einzelteile des magnetischen Antiskating des TP 16-Tonarms. Sehr praxisgerechte Lösung, auf der Skala sind sogar entsprechende Einstellwerte für Rundnadeln und elliptische Abtastnadeln zu finden. Die obere Skala gilt für nasses Abspielen, was seinerzeit sehr in Mode war. In der Praxis findet sich oft eine gelöste Verklebung des Ringmagnets, womit die ganze Angelegenheit ihrer Funktionstüchtigkeit beraubt ist. Zur Reparatur muss der Arm zerlegt werden. Der kleine Strich auf dem Magnet gibt die Position im umschließenden Blechtopf an, dort findet sich eine entsprechende Kerbe

Liftplatte für den umgabauten TP 16-Tonarm. Den mit dickem Silikonöl gedämpften Lift vom Typ Rega kann man fix und fertig in England für um die 30 Euro kaufen. Das ist ein gängiges Bauteil, das auch an vielen Serienarmen zu finden ist. Die Platte bekommt eine 12er Bohrung für den Lift und eine 20er Bohrung für die Schaftaufnahme. Eine M3-Klemmschraube sichert stabilen Halt

Das kleine, in den Schraubstopfen des TP 16-Arms integrierte Wälzlager für die Vertikallagerung. Der in das Armrohr eingepresste Spitzendorn ist eine eher kostengünstige Lösung. Zudem hätte es noch gut Platz gehabt, um den Laberabstand größer zu machen. Die Finne oben am schwarzen Kunststoffgehäuse ist eine Art Anschlagdämpfer für den Arm. Der Hersteller hat damals auch an die Grobmotoriker gedacht

Spielbereiter TP 16-Umbau. Die effektive Länge beträgt jetzt 13 Zoll oder 335 Millimeter. Auf die Antiskating-Einrichtung wurde verzichtet. Dank geringer Kröpfung sind die langen Arme in Hinblick auf den Skating-Effekt vorteilhafter als die kurz gebauten Tonarme. Die Multiplex-Zarge für den Garrard 301 stammt von Desygn&Sound. Sie ist rot gebeizt und mit rubinrotem Schellack auf Hochglanz poliert

Zum Vergleich ein TP 11 mit Spitzengleitlagerung am oberen Punkt der Horizontallagerung und gleichfalls Spitzengleitlagerung an der Vertikallagerung. Der untere Lagerpunkt des Horizontallagers ist nach wie vor wälzgelagert. Gute Lösung, denn dieses untere Lager ist durch das Gewicht des Arms am meistens belastet. Zu sehen ist ferner das umgearbeitete Gewicht mit integrierter Dämpfung. Früher war diese Bedämpfung auch bei preisgünstigen Tonarmen ein Standard, heute zeigen selbst teure "High End-Arme" häufig direkt per Madenschraube ans Tonarmrohr geklemmte Gewichte. Ansich entspricht so eine einfache Lösung eher unterem Bastelniveau. An diesem Tonarm ist der Schaft im Sockel auf diese simple Art und Weise geklemmt. Um die unschönen, durch die Schraube verursachten Druckspuren am Schaft zu vermeiden, wurde ein passgenauer Druckstift aus Messing in die Gewindebohrung eingelegt