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Zeittypisches Set: Thorens TD 124 und Ortofon-Tonarm. Die schwere Zarge mit direkter Ankoppelung über Hartgummischeiben wirkt sich positiv auf das Rumpelspektrum des Reibradantriebs aus. Und der Experte erkennt die getauschte Libelle. Die serienmäßige "Wasserwaage" trocknet gerne aus.

 

 

TD 124 - Der Weltbeste

 

Kein anderer Plattenspieler hat sich derart tief und felsenfest im kollektiven Bewustsein und Selbstverständnis der weltweiten Audio-Fans eingenistet, wie der berühmte Schweizer Dreher. Hymnen über dieses Ausnahmeprodukt sind in reicher Zahl im Netz zu finden. Nicht zuletzt hat der TD 124-Liebhaber Joachim Bung mit seinem fast 1000-seitigen, doppelbändigen Buchwerk "Schweizer Präzision" dem Reibradspieler samt zeitgenössischer Konkurrenten ein außerordentliches Denkmal gesetzt.  Deshalb an dieser Stelle keine weiteren Fanfarenstöße getreu der alten Karl Valentin-Weisheit: Über den TD 124 ist schon alles gesagt worden, aber noch nicht von jedem.

Nach über 20 Jahren freudvollem Umgang mit dem 124er nur stichpunktartig ein paar Anmerkungen, die seine Ausnahmestellung nachvollziehbar machen sollen.

1. Er altert nicht und ist immer schön anzusehen, besonders beim Abspielen der jeweils aktuellen Lieblingsplatte.

2. Die Auseinandersetzung mit seiner hochwertigen Mechanik ist für alle "Technikfummler" ein paradisischer Mikrokosmos.

3. Mit dieser Auseinandersetzung begreift man die Faszination Plattenspieler jedesmal aufs Neue.

4. Der Moment, wenn man ihn tatsächlich so gut wie rumpelfrei bekommen hat.

5. Er spielt nicht "besser" als andere Geräte, aber er zelebriert die Musik mit einer ganz eigenen Anmut und Schönheit. Insofern ist er der Beste.

6. Das Design wird mit der aktuellen TD 124 DD-Version in Neuauflage zum Preis von rund 8000 Euro geadelt, wenn auch ohne das mechanische Wunderwerk des Klassikers, sondern mit laufruhigem Direktantrieb.

7. Gerne Mattenexperimente. Aber am besten spielt er mit dem serienmäßigen Kupplungs-Teller und der recht harten Serien-Gummimatte.

8. Wer kein spezielles Öl für Motor- und Tellerlager zur Hand hat, kann stattdessen vollsynthetisches Motoröl SAE 10W40 nehmen. Vielleicht ist das sogar die beste Wahl überhaupt. Der Antriebsmotor kann von außen mittels 5 bis 10 ccm großer Einwegspritze und Kanüle gut nachgeölt werden. Das obere Lager ist seitlich direkt erreichbar. Unten am Motor befindet sich seitlich außen im Blechgehäuse eine kleine Bohrung, über die mittels Kanüle das untere Lager bedient werden kann. Zwei kleine (!) Tropfen Öl alle zwei Jahre genügen in den meisten Fällen.

9. Das angeschraubte Tonarmbrett kann mittels (zwischen Schraubenköpfen und unten zum Gusschassis hin) unterlegter O-Ringe entkoppelt werden. Dazu Bohrungen im Brett auf 7 bis 7,5 mm vergrößern, damit die Schraubenschäfte frei - ohne das Holz zu berühren - stehen. Darauf achten, dass das Brett seitlich keinen Kontakt mehr zum Gusschassis hat. (Wer das originale Tonarmbrett erhalten möchte, sollte sich zum Experiemtieren Tonarmbretter aus unterschiedlichen Werkstoffen - Naturholz, Acryl, Schichtholz - anfertigen oder zukaufen.)

10. Der unteren Axialführung (Scheiben) des Reibradlagers Aufmerksamkeit schenken. Eine hauchdünne Scheibe Spezialschaumstoff als Dämpfer kann Wunder wirken.

11. Beim Starten des Spielers Teller von Hand leicht anschieben. Das schont die gesamte Antriebmechanik. Als Routinier wechselt man die Platten ohnehin bei laufendem Teller.

12. Wer sofort noch mehr über den Spieler erfahren möchte, und wer zudem einen Blick auf das Innenleben des TD 124 werfen will, dem empfehle ich den Artikel "Schweizer Rillenleser" auf der Internetseite "Klassik-Lust". Und wer gar nicht genug vom TD 124 bekommen kann, der muss sich bei Joachim Bung dessen doppelbändiges Werk "Schweizer Präzision" bestellen.

 

 


Kleines Tuning-Detail für den TD 124: Tonarmbrett über Gummiringe vom Chassis entkoppelt angeschraubt. Das zentrale Geheimnis liegt allerdings im gesamten Antriebsstrang. Hierzu sind jede Menge Tipps im Umlauf. Manche davon funktionieren. Aber genau das macht die Faszination TD 124 aus. Eine Plattenspieler-Erlebniswelt.

Schwere Zarge aus furniertem Multiplex-Schichtholz. Beruhigt das Rumpelspektrum des Riemen-Reibrad-Spielers.

Stark gerilllte und recht harte Gummi-Serienmatte des TD 124. Der ausfahrbare Puck für die 45er Singles ist im Teller integriert.

S-förmig geschwungener Ortofon SMG-212-Tonarm mit kardanischer Lagerung. Damals das Mittelklassemodell im Programm der dänischen Firma. Der heute besonders begehrte RMG-212 kostete damals fast den doppelten Preis, bot dafür ein aufwendiger gefertigtes Gegengewicht mit integrierter Federeinstellung für die Auflagekraft samt ringförmigem Lagerjoch. Der einfachere SKG-212 war ein Drittel günstiger als der SMG-212, von dem er sich durch das einfachere Lagerkonzept unterscheidet. Puristisch waren sie allesamt, ohne Lift und Anti-Skating-Einrichtung. Passt für schwere Oldie-Systeme mit um die drei Gramm Auflagekraft.

Grün zieht. Kein SPU im Ortofon-G-"Tonkopf", sondern ein zeittypisches MM-System aus dem Hause Elac, Modell STS 222. Sehr feiner quadratischer, nackter DM 240-Diamant mit Rundschliff. Das passt und meistert selbst die gefürchteten Paukenschläge auf den einschägig berühmten Telarc-Vorführplatten.