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Kleines Pflege-Set für den Schallplattenputz für um die 30 Euro. Isopropyl-Alkohol aus der Apotheke, destilliertes Wasser, Sprühflasche, Netzmittel aus dem Fotolabor, Salmiakgeist aus dem Baumarkt, Papiertücher, Micofasertücher, Kohlefaser-Bürste,  Ikea-Drehteller samt Korkauflage und eingeklebtem Mitteldorn aus Holz. Darauf lässt sich die Platte gut mit Reiniger benetzen und vor allem mit sattem Druck abwischen.

Wunderbarer Waschsalon

 

Nur die saubere Tonrille macht schöne Musik. Wer dem modrigen Duft alter Flohmarkt-Scheiben partout nicht widerstehen kann, der weiß das. Was während Jahrzehnten an eingetrockneten Milben,  Hautschuppen, Fingerschweiß und sonstigen Substanzen in die Rillen hineindiffundiert ist, lässt sich oftmals nur noch mit dem sprichwörtlichen Kärcher wegstrahlen. Dabei bestünde allerdings die Gefahr, im Eifer des Strahlgefechts gleich die feine Rille mit wegzuputzen. Ein schonender Waschgang ist gefragt.

 

Wie nicht anders zu erwarten, bietet der Fachhandel entsprechendes Gerät. Von der simplen Knosti-Handwaschmaschine für um die 50 Euro, bis hinauf zur aufwändigen Apparatur für mehrere tausend Euro. Das alles darf der enthusiastische Platten-Tourero ruhig ausprobieren, und auch ich konnte nicht widerstehen, mir eine Wahnsinnsmaschine mit angesagter Ultraschalltechnik aufzubauen. Maschinen haben aber immer einen Nachteil: Sie machen Geräusche. Idealer Weise will man beim großen Putz aber Musik hören. Eine Apparatur, die zirpt, summt oder wie ein Staubsauger dröhnt ist dann mehr als lästig.

 

Zudem haben sich in langjähriger Praxis zwei "Gesetzmäßigkeiten des Schallplatten-Putzens" manifestiert: Bei üblich gering verschmutzen Platten genügt eine einfache Handwäsche vollauf - und bei echten Problemfällen - wie etwa hartnäckigen Knisterscheiben - zählt einzig der Faktor Einweichdauer.

 

Für beide Gesetzmäßigkeiten braucht es also keine spezielle Apparatur, allenfalls ein paar simple Gerätschaften, die das Putzen leichter machen. Eine Gerätschaft ist etwa eine solide, drehbare Unterlage für die Platte. Wer mag, nimmt dafür einfach einen alten, defekten Plattenspieler. Am besten einen von der robusten Sorte, denn beim Wischen mit dem Microfasertuch muss im Rillenradius mit Druck gefeudelt werden. Auf dem besten aller Plattenspieler sollte Meister Proper so etwas nicht machen, denn die Belastung für das Tellerlager ist hoch und der Lebensdauer garantiert nicht zuträglich.

 

Als Budget-Tipp habe ich mal wieder bei Ikea etwas Passendes gefunden. Und zwar die drehbare Servierplatte aus Holz. Das Ding ist sogar kugelgelagert. Ein kleiner Holzstift in der Tellermitte ersetzt den Plattendorn für die zentrische Aufnahme der Platte. Als Platten schonende Unterlage kommt noch eine Korkscheibe zum Einsatz. Die schneiden wir passend aus einer Ikea-Tischunterlage heraus.

 

Für den einfachen Putz genügt destilliertes Wasser (Ein Liter) plus ein Tropfen Netzmittel (alternativ ein Tropfen Spüli) vollkommen. Zum Auftragen greift man am besten zu einer hochwertigen Sprühflasche mit regulierbarer Messingdüse. Einwirkdauer zählt. Je länger, desto besser, mindestens eine Minute, bei Problemfällen kann auch mal eine Stunde und mehr Wunder wirken. Wer das Plattenlabel schützen möchte, muss sich noch eine passende Abdeckscheibe basteln.

 

Anschließen wird die Flüssigkeit mit saugfähigem Küchenpapier aufgenommen und der Rest mit einem sauberen (!) Microfasertuch in Rillenrichtung trocken gewischt. Fertig. Das alles lässt sich wunderbar auf dem Ikea-Teller - geräuschlos - durchführen.

 

Eine Mischung mit Isopropylalkohol (10 Teile Wasser, ein Teil Alkohol) ist bei Platten mit offensichtlich von Handfett verschmutzten Rändern sinnvoll. Brutaler Salmiakgeist (7% Lösung nochmals mit 50 % destilliertem Wasser strecken) sollte nur bei extremen Härtefällen zum Einsatz kommen, und das auch nur im Freien und unter allen gebotenen Schutzmaßnahmen (Gummi-Handschuhe, Brille, Lüftung). Wer einmal die Salmiak-Kur gefahren hat, der wird sie dann ohnehin nur noch als letzte Option aus dem Holster ziehen.

 

Bei hart in die Rille eingebackenem Schmodder kann einmal mehr zur Methode mit dem Holzzahnstocher geraten werden. Mitunter ist ja nur ein Rillental von so einem Winzling verstopft. Mit der 10fach-Uhrmacherlupe kann die ploppende Störstelle gezielt behandelt werden. Anschließen dann ab in den Nasswaschgang.

 

Für den einfachen Vorputz nach dem Auflegen der Platte genügt nach wie vor die gute, alte Kohlefaser-, oder für Bio-Fans, eine Ziegenhaarbürste. Alternativ tut es ein Wisch mittels Microfasertuch ebenso, wer will kann es mit dezentem Nebel aus dem Sprühgebinde mit destillierten Wasser anfeuchten.

 

TIPP: Den meisten Schmutz/Staub fängt sich eine Schallplatte beim Auflegen auf den  zugestaubten Plattenteller ein. Deshalb abgestellten Teller immer mit einer alten Schallplatte abdecken (sofern keine Abdeckhaube vorhanden ist). Ein aufgelegtes Tuch birgt stets das Risiko, beim zu forschen Wegziehen am Abtastdiamant einzuhaken. Und das war dann meistens der letzte Gruß vom System.

 


Mittels hochwertiger Sprühflasche lässt sich der Mix aus destilliertem Wasser und Netzmittel (zur Oberflächenentspannung des Wassers) zielgenau auf die Platte auftragen. Dann heißt es: Einwirken lassen. Hohe Alkohol-Anteile sind in Sachen Einwirkzeit von Nachteil. Sie lassen die Mixtur rasch verdunsten, es muss oft nachgewässert werden.