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Plattenspieler auf der High End-Messe

München war am zweiten Mai-Wochenende wieder Anziehungspunkt für HiFi-Verrückte aus aller Welt. Im M.O.C.-Areal, einem kleineren Messestandort im Norden der bayerischen Metropole, konnte der Veranstalter, die High End Society, zum 32. Mal alle Interessierten unter einem Dach zusammen bringen. Für Freunde analoger Wiedergabetechnik gab es auch diesmal wieder viel zu entdecken. Plattenspieler sind wichtiger Bestandteil des Messeprogramms. Edelste Feinmechanik und überraschende Tonarm-Konzepte erfreuten das Betrachterauge. Aber sehen Sie selbst...


Prototyp eines neuartigen Tonarms. Einmal mehr geht es um die Kompensation des tangentialen Spurfehlwinkels beim Drehtonarm. In dieser Lösung steckt jede Menge Hirnschmalz und geradezu wahnwitzige Detailarbeit. Die Übertragung der Korrekturbewegung wird mittels federbelasteter Kunstfaser bewerkstelligt.

Drehtonarm mit automatischer Spurwinkelanpassung von Schuchtronic aus Bergisch Gladbach. Ein feinmechanisches Meisterwerk, das ganz besonders die Besucher aus der Schweiz zu würdigen wussten. Sämtliche bewegliche Punkte sind in kleinen Messerschneiden-Lagern ausgeführt. Sehr filigran, sehr empfindlich. Nichts für Grobmotoriker

Das Schaustück ist aus Leichtmetall gefertigt. Das Material lässt sich gut bearbeiten, was bei dem enormen Aufwand an zerspanendem Werkzeugeinsatz auch aus Kostensicht ein sehr wichtiger Punkt ist.

Daniel Schuch, der Konstrukteur des wundersamen Anti-Spurfehlwinkel-Drehtonarms. Er übernimmt auch die Fertigung individueller Arme. Wenn Sie also eine neue Idee zum Thema Tonarm haben, können Sie den Mann kontaktieren (www.schuchtronic.de).

Plattenspieler für Einsteiger und Fortgeschrittene. Pro-Ject, eine österreichisch/tschechische Firma, gehört inzwischen zu den großen Nummern im Vinylgeschäft.

Dieses Pro-Ject-Luxusmodell orientiert sich unverkennbar an klassischen japanischen Vorbildern.

Gesehen am Ortofon-Stand. Schatzkästchen mit Jelco 12 Zoll-Tonarm und passender Ortofon-SPU-Tondose.

Auch bei Pro-Ject versteht man sich auf Schatzkästchen. Und auch hierin wartet ein ansehnlicher Arm mit Einpunktlager und S-förmig geschwungenem Armrohr samt SME-Anschlussbajonett

So sieht das Ganze in einer längeren Ausführung im aufgebautem Zustand aus. Passt auch gut auf klassische Reibraddreher...

Noch ein Werk aus der Rubrik "Tonarmkunst". Diesmal von AMG/Lorenzi. Sie sehen das Schnittmodell des Lagerkopfs. Besonderheit ist die Vertikallagerung mittels zweier dünner (0,5 mm) Stifte aus Federstahl. Ansich das glatte Gegenteil einer "leichtgängigen" Lagerung, aber scheinbar spielt das auf die Gesamtlänge des Arms bezogen keine Rolle mehr. Dieser Arm funktioniert. Horizontallagerung mittels Kugellager (oben) und Nadellager (unten). Die Lagerabstände sind recht gering. Skatingkompensation schaffen die beiden unten sichtbaren Magnetstifte. Sie sind in der Höhenausrichtung und damit in ihrer Wirkung einstellbar. Sie wirken auf den fest im Armrohrträger eingelassenen Ringmagneten.

So schaut der AMG/Lorenzi-Tonarm am Stück aus. Auf einen Linn LP 12 montiert, ergibt das ein sehr schönes Ensemble. Eine kleine Wasserwaage im Lagerkopf erlaubt die tendenzielle Einstellung des VTA. Eventuelle Schiefstellungen des Abtastdiamanten (Azimuth) lassen sich gefühlvoll durch einseitiges Heben und Senken des Armrohrträgers am Federstahl-Lager einjustieren. Finish perfekt.

Noch mehr Tonarmkunst. Diesmal von Thales aus der Schweiz.  Mit raffinierter Schubstangentechnik wird der tangentiale Spurfehlwinkel optimiert. Finish wie vom Uhrmacher, Schweiz eben...

Thales-Tonarm aus der Heckansicht. Der Aufwand im Detail ist gut zu sehen. Gewicht zweigeteilt.

Thales-Tonarm in Aktion, selbstverständlich auf hauseigenem Dreher. Angenehm unprotzig, dafür in jeder Beziehung edel.

Einen klassischen EMT-Rundfunk-Plattenspieler schaut man sich auf der High End-Messe umso gerner an. Handfester Werkzeugcharakter

Passend zum klassischen EMT-Dreher gibt es aktuell eine EMT-Phonovorstufe, selbstverständlich in herzergreifender Hammerschlag-Lackierung. Und wie immer: Gutes Werkzeug hat seinen Preis...

Immer schön die Luftfeuchtigkeit im Auge behalten. Darauf achtet der EMT-Profi, damit es wegen statischer Aufladung beim Abspielen der Platten nicht heftig entladungsknisternd zugeht...

Die Vorführung im Silbatone-Raum mit alten Western Electric-Kinolautsprechern aus den 30er Jahren war ein Muss auf der High End. Ein Vergnügen, das man nur selten hat, und für das man den Koreanern, die das gigantische Material einmal um den halben Globus und anschließend retour karren, nur danken kann.

Diese Kino-Monster mussten nur funktional sein. Dem Auge blieben sie zumeist hinter der Kinoleinwand verborgen. Optimale Sprachverständlichkeit für mehrere tausend Zuschauer in den großen Lichtspiel-Palästen war das Ziel. Umso erstaunlicher, wie gesittet diese Tüten auch in dem vergleichsweise kleinen Vorführraum die Luft bewegten. Die kleinen Kisten davor sind Lautsprecher im angesagten Vintage-Style, bestückt mit Repliken klassischer Treiber. Eine Art Mini-VOTT, konnte sich klanglich auch im Vergleich mit den großen Hütten durchaus sehen lassen.

Befeuert wurden die Western Electric-Kinolautsprecher über die gigantische Silbatone-Röhrenelektronik. Ein klassischer Commonwealth Studio-Plattenspieler (auf Luftlagerung) im Schick-Outfit diente als Zuspieler.

Passende Beschilderung zum Western Electric-Kinosound.

Ungekröpfter Schröder-Tonarm mit ausgebuffter Sockeltechnik. Der Abstand zur Plattentellermitte ändert sich mit dem Drehwinkel. Auch so kann der tangentiale Fehlwinkel kompensiert werden. Stand gleichfalls in der Silbatone-Vorführung, bestückt mit einem Lyra Atlas für schlanke 10000 Euro. Ins Ohr gesprungen ist mir diese Summe nicht.

Getreue Replicas historischer Western Electric-Kinotreiber liefert G.I.P./Japan. Wunderbarer Stoff für HiFi-Extremisten.

Typische "Bohrinsel" für Ölbarone und alle anderen HiFi-Jünger, die gerne ein wenig dick auftragen

Noch mehr Bohrinseln in typischer Schichtbauweise zur Resonanzminderung, diesmal mit dem altbewährten SME 3012-Tonarm.

Voxativ-Treiber aus der Nähe. Leichte Papiermembrane und voluminöse Sicke für offenbar reichlich Hub. Das Finish macht einen sehr guten Eindruck. Ein Tipp für alle, die immer noch an ihren Lowthers hängen - was nichts Schlechtes heißen muss. Im Gegenteil.

Bei Voxativ gab es Breitbänder in eigentümlich zyklopischen Horngehäusen zu sehen und vor allem zu hören. Inspiriert sind diese Treiber zweifellos durch klassische Lowther-Konstrukte. Die Berliner Firma Voxativ hat die historischen Vorbilder in zeitgemäße Prazisionsfertigung und eine verblüffende Produktvielfalt umgesetzt.  Das klangliche Ergebnis bietet denn auch fast nur die Stärken der Breitbänder-Philosophie, dazu aber vergleichweise satten Bass und in den (dezent gebündelten) Höhen scheinbar keine Limitierung. Preislich spielt das Ganze dafür ebenfalls in der Oberliga.

Swissonor kommen unüberhörbar aus der schönen Schweiz. Völlig pragmatisch packte man die mitgebrachten Gerätschaften in einer Reihe gänzlich unaudiophil vor die Wand. Was dabei heraus kam, war im Falle der beiden außen stehenden Dreiecks-Boxen mit Koaxial-Treibern mein ganz persönlicher Messefavorit. So einfach kann bestes HiFi sein.

Klangwellen-Manufaktur fertigt diesen umfangreich einstellbaren und angenehm schlicht gehaltenen 12 Zoll-Tonarm.

Swissonor kommen aus dem Schweizer Jura. Kein Wunder also, dass man sich den legendären Thorens-Plattenspielern verpflichtet fühlt. Es werden Überholungen und Modifikationen angebotenen. Im Programm ist ein nicht magnetischer Plattenteller (im Original aus Gusseisen) für den TD 124. Auch den historisch korrekten Tonarm gibt es bei Swissonor. Hat alles seine Preise, aber das sind Teile, die man sich nur einmal kauft.

Thorens TD 160 in der Ausführung von Swissonor. Ein Tipp für alle, die auf gutes Vintage-HiFi stehen, aber keine Lust oder Zeit zum eigenhändigen Aufarbeiten eines Klassikers haben.

Modular aufgebaute Verstärkereinheit von Swissonor. Sachliches, zweckmäßiges Design, handwerklich schön umgesetzt. Verschiedene Röhren-Versionen sind erhältlich. Passt nicht nur aus gestalterischer Sicht optimal zu einem Thorens TD 124.

Nicht magnetisch wirksamer Plattenteller für den Thorens TD 124. Der Original-Teller ist aus Gusseisen. MC-Systeme mit starken Magneten können sich an den Teller ziehen. Original-TD 124 sollten/können deshalb mit einer zusätzlichen Tellermatte als Abstandshalter betrieben werden.

Hornlautsprecher anschaulich gemacht. Charmant leibhaftig erzeugte Schallwellen gab es auf der High End gleichfalls in Gestalt eines Alphorn-Ensembles zu hören. Immer wieder faszinierend, dieser alpenländische Fernwehton.

Das aktuelle Spitzenprodukt aus dem Hause Thorens, Typ 550. Kostenpunkt um die 12000 Euro.

Klassisches Industrie-Design und freie Verdrahtung. Thöress-Vollverstärker mit legendären Siemens F2A11-Poströhren. Ein Fest für Klanggourmets mit wirkungsgradstarken Lautsprechern - die es bei Thöress gleichfalls gibt.

Im Schein der Röhren. Detailansicht der Siemens F2A11. Thöress verwendet NOS-Ware. Man sollte sich als Käufer also gleich noch ein paar Reservestücke beiseite legen, bevor die Preise für Ersatzröhren vollends durch die Decke gehen. 

Auf Wirkungsgrad gezüchtet. Thöress-Dreiwegelautsprecher. Hochton-Schlitzstrahler geben den Schall nach oben ab. Gehäuse aus leichtem Pappelsperrholz.

Well Tempered-Tonarm. Pfiffig und kurios. Er zeigt, dass es im Tonarmbau keine ehernen Gesetze gibt. Der Arm hängt "lose" an zwei Fäden, in die darunter liegende Wanne kommt Silikonöl zur Bedämpfung und Stabilisierung.

Sieht aus wie ein altes Messgerät in Röhrentechnik, ist aber eine Thöress-Phonovorstufe mit einstellbaren Entzerrerkurven. Interessant für Hüter alter Vinylschätze, die noch vor dem RIAA-Standard produziert worden sind.

Und so sieht der komplette Well Tempered aus. Sie können jede Farbe haben, vorausgesetzt, sie ist schwarz...

In der traditionellen Skalen-Beleuchtungsfarbe illuminiert: McIntosh-Dreher (der anscheinend bei Clearaudio in Erlangen gefertigt wird). Die Amerikaner hatten darüber hinaus eine eindrucksvoll aufspielende AV-Anlage am Start.

Durand-Holztonarm aus Amerika. Einpunktlagerung und Federabstützung gegen Taumelbewegungen. Umfangreich einstellbar, 12 Zoll lang.

Plattenspielerburg in Schichtholzbauweise mit Acrylteller. Bemerkenswert, wie dramatisch die super zarten Tonarmkäbelchen im Inneren des Arms nach der Steckverbindung zu fetten Überlandleitungen sprungartig  anschwellen...

Stillleben mit Dynavector-Tonarm. Immer wieder erstaunlich, was mit der Digitalkamera selbst noch an Geisterbahn-dunklen Messeständen fotografiert werden kann. Einfach ASA-Zahl rauf - und klick...

Mit des Meisters Handschrift. Van den Hul-System im rudimentären Holz-Frack, Wasserwaage für ein paar Kiloeuro inklusive.

Erinnert auf den ersten Blick frappierend an Kriegsspielzeug. Materialtechnische Trutzburg aus dem Hause Clearaudio mit markeneigenen Tonarmen in tangentialer und klassisch drehbarer Bauweise.

Plattenspieler-Altar aus Erlangen. Der gesamte, tangential abtastende Portaltonarm lässt sich auf Axiallagern vor- und zurückschieben. Da freut sich der Oligarch.

Clearaudio-Phalanx. Wir kommen nicht in Frieden...

Es lebe der Transmissionsriemen. Plattenspieler-Monument von Gaudio Sound aus Italien.

Rustikaler Eigenbau-Tonarm mit Einpunktlagerung am Gaudio Sound-Spieler. Solche Projekte machen jedem Hobbyisten wieder Mut. Einfach mal ausprobieren...

Clever gemachte Headshells von acoustical systems. Passend für Tonarme mit SME-Anschluss. Die System-Adapterplatte wir mit nur einer Schraube sicher geklemmt. Das vormontierte System bleibt somit beim Längsverschieben immer winkeltreu montiert. Azimuth-Justage ebenfalls via Klemmjoch einfach möglich.

Traumteil für Hardcore-Analogies: Axiom-Tonarm von acoustical systems aus Utting am Ammersee. Komplett in Titan. Besser nicht nach dem Preis fragen...

Eine stattliche, dennoch sehr elegante Erscheinung. Aufwendiger Dipol-Lautsprecher von Wolf von Langa. Die Seitenwangen sind aus transluszentem Kunststoff.